Eltern haben Jobs, Kinder auf Gymnasium! Sachsen will diese Familie nach elf Jahren abschieben

Leipzig - Sie sind bestens integriert, arbeiten in gefragten Berufen und sorgten bis vor kurzem noch selbst für ihren Lebensunterhalt: die in Leipzig lebende Familie Fliak. Nach elf Jahren sollen die Ukrainer Deutschland nun verlassen. Die Arbeitserlaubnis wurde ihnen entzogen. Und der Leipziger Malermeister Mario Junge (52), der seit Jahren kein geeignetes Personal mehr findet, versteht die Welt nicht mehr.

Der 2010 aus der Ukraine eingewanderten Familie Fliak droht nach fast elf Jahren die Abschiebung. Die Kinder, die in Taucha aufs Gymnasium gehen, sprechen gar kein Ukrainisch.
Der 2010 aus der Ukraine eingewanderten Familie Fliak droht nach fast elf Jahren die Abschiebung. Die Kinder, die in Taucha aufs Gymnasium gehen, sprechen gar kein Ukrainisch.  © Ralf Seegers

Ruslan Fliak (43) steht vor einer Palette mit Farbeimern und kann es noch immer nicht fassen. "Nach fast elf Jahren in Deutschland darf ich hier nicht mehr arbeiten und soll mit meiner Familie in die Ukraine abgeschoben werden", erzählt er traurig.

Seit 2016 ist er im Betrieb von Malermeister Junge fest angestellt. "Einer meiner besten Mitarbeiter - eine echte Fachkraft", schwärmt Junge.

Seit drei Jahren hat sich in seinem Betrieb kein Lehrling mehr beworben, der Arbeitsmarkt sei leergefegt, erzählt der Malermeister.

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Auch Ruslans Ehefrau Oksana (42) arbeitete als Pflegerin in einer Branche, die händeringend Arbeitskräfte sucht. Doch auch sie darf in Deutschland nicht mehr arbeiten und muss nun Sozialleistungen beziehen.

Hier war bis vor kurzem noch sein Arbeitsplatz: Ruslan Fliak arbeitete seit 2016 im Leipziger Malerbetrieb Junge, verlor jetzt aber die Arbeitserlaubnis.
Hier war bis vor kurzem noch sein Arbeitsplatz: Ruslan Fliak arbeitete seit 2016 im Leipziger Malerbetrieb Junge, verlor jetzt aber die Arbeitserlaubnis.  © Ralf Seegers

Kinder Marek (18) und Kateryna (12) haben Angst vor der Abschiebung

Malermeister Mario Junge (52) kämpft um seinen von der Abschiebung bedrohten Mitarbeiter.
Malermeister Mario Junge (52) kämpft um seinen von der Abschiebung bedrohten Mitarbeiter.  © Ralf Seegers

"Das ist unbegreiflich: Einerseits beklagt die Politik Fachkräftemangel, anderseits schmeißt sie solche integrierten und arbeitswilligen Menschen aus dem Land", echauffiert sich Malermeister Junge.

Er will um seinen Mitarbeiter kämpfen, hat ihm einen Anwalt besorgt, um gegen die geplante Abschiebung zu klagen.

Hart würde es auch die Kinder der Familie treffen. "Sie sprechen gar kein Ukrainisch, sondern Deutsch - für sie ist die Ukraine ein fremdes Land", erzählt Mutter Oksana.

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Sohn Marek (18), der die 12. Klasse im Tauchaer Geschwister-Scholl-Gymnasium besucht, hat Angst, dass er kurz vorm Abitur das Land verlassen muss.

Tochter Kateryna (12), die ebenfalls aufs Gymnasium geht und bei der DHfK Rhythmische Sportgymnastik trainiert, möchte ihre Sportfreundinnen nicht verlieren.

Titelfoto: Bildmontage: Ralf Seegers

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