"Es ist einfach nur beschämend": Stolpersteine in Eilenburg mit roter Farbe beschmiert

Von Anke Brod

Eilenburg - "Es ist einfach nur beschämend" - das sagt der Eilenburger Bürger Tom Müller (32). Doch was ist passiert? Fünf Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus waren am 15. November im Ort mit roter Farbe beschmiert worden. Die Polizei sucht Zeugen für diese Schandtat.

So sahen die Stolpersteine in Eilenburg vor der Schändung aus.
So sahen die Stolpersteine in Eilenburg vor der Schändung aus.  © privat

Am 9. November gab es die bundesweite Aktion "Stolpersteineputzen" (TAG24 berichtete). So auch in der Kreisstadt Eilenburg im nordwestlichen Sachsen.

Zur Erinnerung: Im Jahr 1938 hatten Juden unter dem Hitler-Regime während der Pogrome in der Nacht zum 10. November zerstörte Geschäfte, geplünderte Wohnungen, brennende Synagogen sowie zerstörte Friedhöfe erleiden müssen. Tausende wurden verhaftet, viele durch die vernichtenden Gewaltexzesse wahrhaft in den Tod getrieben.

Aus Zivilcourage engagiert sich Tom Müller zusammen mit Torsten und Yvonne Pötzsch sowie Mathias Teuber vom Eilenburger SPD-Kreisverband alljährlich "gegen das Vergessen".

Hierzu reinigen sie vor ehemaligen Wohnstätten namentlich registrierter Nazi-Opfer in Gehwege eingelassene Stolpersteine und schmücken sie mit Rosen.

Diesmal aber kam sechs Tage später der Schreck: "Am Sonntagnachmittag wurden in der Bergstraße 2 drei Stolpersteine mit roter Farbe beschmiert, an der Ecke Bergstraße/Kellerstraße zwei weitere", schilderte Müller gegenüber TAG24. Noch am selben Abend habe er nach Aufnahme des Sachverhalts durch die Polizei begonnen, die Steine wieder von der roten, dickflüssigen Farbe zu befreien.

Tom Müller findet den Frevel beschämend

Am 15. November sind die Stolpersteine in Eilenburg mit roter Farbe beschmiert worden.
Am 15. November sind die Stolpersteine in Eilenburg mit roter Farbe beschmiert worden.  © privat

"Ich verurteile diese Tat zutiefst", sagt Tom Müller laut und deutlich und meint: "Es ist beschämend, dass es in der heutigen Zeit immer noch solch offene Anfeindungen gegen Menschen und Gedenkstätten mit jüdischer Religion gibt." Einen rechten Hintergrund hält er für naheliegend.

Nach TAG24-Anfrage bei der "Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig" wollte sich deren Vorstandsvorsitzender Küf Kaufmann (73), zudem Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, nicht explizit zu den Eilenburger Vorfällen äußern. Das Problem sei alltäglich, bedauerte er.

Stattdessen schickte er TAG24 mahnende Zeilen: "Schmiererei auf Stolpersteinen an einem Ort, Hakenkreuze und SS-Runen auf Wänden an einem anderen Ort, beleidigende Schmierereien an Häusern und Gegenständen hier und dort, das Spucken auf Menschen, die sich zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 versammelt haben - manchmal beginnt man, an das Unmögliche zu glauben - Zeitrückkehr."

Er fährt fort: "Aber ich weiß genau, dass unsere Gesellschaft stark genug ist, sich vor der Pandemie des Hasses zu schützen. Man braucht einen klaren, starken gesellschaftspolitischen Widerstand. Gesetz und Tat sollen unsere Instrumente sein, die unsere Demokratie schützen müssen. Wir erinnern uns gut an die tragischen Folgen der Kristallnacht für ganz Europa und Deutschland selbst. Auch deswegen sagen wir einander: 'Niemals und nirgendwo (und in keiner Form) sollte so etwas wiederholt werden!'"

Und weiter: "Wir müssen, wir sind verpflichtet, unabhängig von unserer religiösen Zugehörigkeit, unabhängig von unseren sozialen und parteipolitischen Unterschieden, ohne Angst zusammen gegen diejenigen zu kämpfen, die versuchen, Angst in uns zu entfachen.“

Titelfoto: privat

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