Exklusives Bio-Gemüse für Tafelkunden: Ein-Euro-Jobber beackern Leipziger Gärten

Von Anke Brod

Leipzig - Zuerst spross das Gemüse in der Messestadt aus dem Boden. Dann wuchs es nahezu überall. Die Rede ist von inzwischen 200 bundesweit operierenden "Tafelgärten" in Kleingartenvereinen (KGV) nach Leipziger Vorbild. Der Startschuss für das Projekt fiel 2007 im Stadtteil Anger-Crottendorf.

Klaus Ewald vom KGV "Neues Leben" präsentiert den Erlebnisgarten. Er feiert in diesem Jahr nicht nur seinen 80. Geburtstag, sondern ist auch seit ganzen 50 Jahren Vereinsvorsitzender.
Klaus Ewald vom KGV "Neues Leben" präsentiert den Erlebnisgarten. Er feiert in diesem Jahr nicht nur seinen 80. Geburtstag, sondern ist auch seit ganzen 50 Jahren Vereinsvorsitzender.  © Anke Brod

In der Messestadt deckt diese Bewirtschaftungsform 20 Prozent aller Gemüse- und Obstgaben für Bedürftige ab. Aktuell mischen zehn Kleingartenvereine mit.

"Damals lagen im Stadtgebiet gut 4000 Parzellen brach", erklärte der Projektleiter für Arbeitsgelegenheiten vom Verein Wabe, Helgo Schmolke (55), im Gespräch mit TAG24.

In Anger-Crottendorf ging so demnach im KGV "Kultur" die erste Parzelle mit Exklusiv-Anbau für die Leipziger Tafel an den Start. An dem gesunden Projekt wirken damals wie heute das Jobcenter, der Tafelverein, der Leipziger Stadtverband der Kleingärtner nebst Kreisverband Westsachsen sowie der Trägerverein Wabe mit.

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Beackerten von 2007 bis 2010 ABM-Kräfte die Schollen, tun dies in Leipzig aktuell bis zu 140 Ein-Euro-Jobber. So bauen 20 Maßnahme-Teilnehmer auf rund 3000 Quadratmetern in den Stötteritzer Kleingartenvereinen "Neues Leben" und "Osthöhe" frische Bio-Kost an.

In zwei Tagesschichten sorgen sie dafür, dass die Tafel für ihre Kunden Kartoffeln, Tomaten oder Kohl erhält. Zudem spenden einige Leipziger Kleingärtner der Tafel regelmäßig ihre Ernteüberschüsse.

Freundschaften durch gemeinsame Gartenarbeit

Im Kleingartenverein "Osthöhe" freuen sich die Verantwortlichen über das seit 13 Jahren gut laufende Tafelprojekt. Das Foto zeigt (von l.n.r.) Maßnahme-Koordinator Jörg Roscher (53), Praxisfee Angelika Richter (64), Projektleiter Helgo Schmolke (55) und Wabe-Geschäftsführer Jörg Braun (41).
Im Kleingartenverein "Osthöhe" freuen sich die Verantwortlichen über das seit 13 Jahren gut laufende Tafelprojekt. Das Foto zeigt (von l.n.r.) Maßnahme-Koordinator Jörg Roscher (53), Praxisfee Angelika Richter (64), Projektleiter Helgo Schmolke (55) und Wabe-Geschäftsführer Jörg Braun (41).  © Anke Brod

"Viele Teilnehmer haben multiple Vermittlungsprobleme", erläuterte Helgo Schmolke weiter. In den Tafelgärten erhielten sie neben einer Tagesstruktur auf alle Fälle wieder persönlichen Aufwind.

Dies empfinden vor Ort auch Maßnahme-Koordinator Jörg Roscher (53) und Fachanleiterin Angelika Richter (64) so. "Über die gemeinsame Gartenarbeit sind sogar Freundschaften entstanden", wusste Roscher zu berichten.

Und ganz nebenbei würde mehr Bewusstsein für gesunde Ernährung geschaffen. "Die meisten kommen absolut gern", brachte es Angelika Richter auf den Punkt. Im Winterhalbjahr basteln die Ein-Euro-Jobber dann an Exponaten für Erlebnisgärten mit Holzfiguren oder Insektenhotels.

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Wie beurteilen der Vorsitzende des KGV "Neues Leben", Klaus Ewald (79), und Vize Evelyn Schonack (67) das Tafelgartenprojekt?

"Wir können uns als Verein wirklich nicht negativ äußern, es sind fleißige und zuvorkommende Leute", antwortete Ewald überzeugt. Der rüstige Senior feierte dieses Jahr runde 50 Jahre Vorstandsamt!

"Mein Weg führte seit meiner Geburt 1940 in unseren Gartenverein", verriet der 79-jährige KGV-Vorsitzende stolz.

Titelfoto: Anke Brod

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