Extremismus-Forscher: Rechte aktivieren bei Corona-Protesten bislang unauffällige Bürger

Leipzig - An den Corona-Protesten sind nach Einschätzung des Extremismusforschers Oliver Decker (53) zunehmend bislang unauffällige Bürger neben extremen Rechten beteiligt.

In Sachsen kommt es immer wieder zu Corona-Protesten.
In Sachsen kommt es immer wieder zu Corona-Protesten.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

"Im Grunde haben wir Menschen, die bislang nicht einmal wegen Falschfahrens auffällig geworden sind, die aber durch Themen, die sie stark emotional betreffen, ansprechbar werden für die organisierte Rechte", sagte der Direktor des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Universität Leipzig am Dienstag.

Gleichzeitig mobilisiere die gewaltbereite Rechte und nutze die Corona-Pandemie, um die Mitte der Gesellschaft zu erreichen.

"Das werden wir in der Zukunft wahrscheinlich häufiger sehen, auch durch die sozialen Medien", sagte er. Es gebe Parallelen zu den Protesten von 2015, als etwa die Pegida-Bewegung mobilisierte.

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Der Fackel-Protest vor dem Haus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (63, SPD) am Freitagabend habe ihn erschreckt, aber auch nicht überrascht, sagte Decker. "Wir sind in der Forschung die ganze Zeit davon ausgegangen, dass es eine zunehmende Radikalisierung gibt."

Decker: Innenminister lasse nicht erkennen, dass er die Strukturen wirksam angehen wolle

In Sachsen seien die Querdenker-Proteste so stark, weil die Landesregierung lange Zeit weggeschaut habe und die Mobilisierung durch die extreme Rechte nicht verhindert habe. "Deshalb konnten sich Organisationsstrukturen entwickeln."

Jetzt sei es wichtig, an die Strukturen der Rechten zu gehen. Splitterparteien wie Der Dritte Weg oder die Freien Sachsen seien Kader-Schmieden für die Rechte.

Der sächsische Innenminister Roland Wöller (51, CDU) lasse derzeit nicht erkennen, dass er die Strukturen wirksam angehen wolle, sagte Decker. Proteste nur durch Eingriffe der Polizei zu verhindern, reiche aber nicht.

Titelfoto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

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