Flutungsalarm! Markkleeberg bereitet Evakuierungspläne für Katastrophenfall vor

Markkleeberg - Nach Bekanntwerden der Flutungsgefahr durch den instabil gewordenen Kanal zwischen Störmthaler und Markkleeberger See (TAG24 berichtete) bereitet sich die Stadt Markkleeberg mit Alarmierungs- und Evakuierungsplänen auf den Katastrophenfall vor. Doch der Krisenstab erklärte am heutigen Freitag, dass dies alles präventiv geschehe und die Worst-Case-Wahrscheinlichkeit "äußerst gering" sei.

Die Schleuse zwischen Markkleeberger (l.) und Störmthaler See aus der Vogelperspektive.
Die Schleuse zwischen Markkleeberger (l.) und Störmthaler See aus der Vogelperspektive.  © Frank Schmidt

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos: Bereits am Freitag begann das Bauunternehmen Strabag mit den Arbeiten zur Absicherung des Kanals zwischen Störmthaler und Markkleeberger See. Der weist massive Böschungsschäden auf, die auch die Stabilität der Schleuse beeinträchtigen.

Das Bauwerk ist bislang die einzige Sperre zwischen dem Markkleeberger und dem 4,20 Meter höher gelegenen Störmthaler See. Was passieren würde, wenn es nicht mehr hält, malte Markkleebergs OB Karsten Schütze (54, SPD) bei einer Pressekonferenz des Krisenstabes andeutungsweise aus.

Die niedriger gelegenen Stadtgebiete im Osten könnten "einige Meter" überflutet werden. Die Welle würde gar bis nach Leipzig schwappen. In der Allgemeinverfügung des Landratsamtes ist von der Gefährdung Tausender Bürger die Rede.

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Für dieses Worst-Case-Szenario erarbeitet die Stadt mit der Feuerwehr gerade Alarmierungs- und Evakuierungspläne. In Kürze sollen alle Anwohner per Informationsschreiben über eine entsprechende Sirenen-Alarmierung und deren Folgen aufgeklärt werden. "Das ist rein präventiver Natur", versuchte Schütze zu beruhigen.

Flutwelle? "Gehen davon aus, dass nichts passieren wird!"

Mit Steinmatten hatte man vergeblich versucht, die abgesackte Böschung zu stabilisieren. Das Schleusenbauwerk dahinter könnte unterspült sein, so die Befürchtung der Experten.
Mit Steinmatten hatte man vergeblich versucht, die abgesackte Böschung zu stabilisieren. Das Schleusenbauwerk dahinter könnte unterspült sein, so die Befürchtung der Experten.  © Alexander Bischoff

Auch der Chef des Bergbausanierers LMBV, Bernd Sablotny (57), erklärte optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass nichts passieren wird." Dennoch will er den Störmthaler See so schnell wie möglich "abdichten".

Dies soll mit zwei riesigen Spundwänden geschehen, die in den nächsten Wochen 300 Meter oberhalb der Schleuse in den Kanal gerammt werden. Anschließend wird 75 Meter unterhalb der Schleuse eine aus drei unterschiedlich hohen Spundwänden bestehende "Wassertreppe" installiert.

Das alles soll laut Sablotny bis Mitte Mai stehen. Die Flutungsgefahr wäre dann gebannt, sodass die beiden Seen ab Juni wieder für Badebetrieb und Wassersport freigegeben werden könnten.

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Die wassertouristische Verbindung zwischen beiden Seen wird jedoch viel länger gekappt bleiben. Denn nach der Sicherung müssen Kanal und Schleuse erst umfassend untersucht werden.

Unter der Schleuse könnten sich Hohlräume gebildet haben

LMBV-Chef Bernd Sablotny (57, l.) und Markkleebergs OB Karsten Schütze (54, SPD) halten das Überflutungsszenario für denkbar, aber "äußerst gering".
LMBV-Chef Bernd Sablotny (57, l.) und Markkleebergs OB Karsten Schütze (54, SPD) halten das Überflutungsszenario für denkbar, aber "äußerst gering".  © Alexander Bischoff

Die Experten befürchten, dass sich unter der auf altem Kippengelände gebauten Schleuse durch Ausspülungen Hohlräume gebildet haben könnten.

Ob dies dann das Aus für die Seeverbindung wäre oder die Schleuse komplett neu gebaut werden müsste, dazu wollte sich der LMBV-Chef aktuell nicht äußern.

Und was bedeutet die Sperrung für Wassersportler und Anrainer? Nach Angaben von Landrat Henry Graichen (44, CDU) können die bereits eingekranten Boote zwar in beiden Seen liegen bleiben, dürfen aber nicht benutzt werden.

Auch die Fahrgastschifffahrt wird eingestellt. Und selbst die am Störmthaler See stationierte Wasserschutzpolizei kann ihre Boote nicht nutzen.

Ob der Kanu-Park für den Leistungssport weiter offen stehen kann, soll in den nächsten Tagen entschieden werden. Rad- und Fußwege am See sollen vorerst nutzbar bleiben.

Trügerische Idylle am Markkleeberger See: Die Villen am Ufer und die niedriger gelegenen Stadtteile würden im Katastrophenfall mehrere Meter überspült.
Trügerische Idylle am Markkleeberger See: Die Villen am Ufer und die niedriger gelegenen Stadtteile würden im Katastrophenfall mehrere Meter überspült.  © dpa/Jan Woitas

Der kommunale Stadtordnungsdienst und die Polizei werden nach Angaben der Behördenvertreter das Bade- und Wassersportverbot von den Ufern aus überwachen.

Titelfoto: Bildmontage: Frank Schmidt, dpa/Jan Woitas

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