Führerlose Busse und Bahnen: Deshalb wird autonomes Fahren in Sachsen ausgebremst

Leipzig - Führerlose Bahnen und Elektro-Busse, die sich im Linienverkehr autonom durch die Städte bewegen. Das ist der Wunschtraum von Ingenieuren und Verkehrspolitikern. Doch wie realistisch ist die Zukunftsvision? Eine vom sächsischen Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie bremst allzu hohe Erwartungen.

Rechts-vor-links-Vorfahrten können autonom fahrende Busse laut Studie bislang nicht bewältigen.
Rechts-vor-links-Vorfahrten können autonom fahrende Busse laut Studie bislang nicht bewältigen.  © Monika Petschel

Mit einer flächendeckenden Durchdringung des Mobilitätssektors durch autonome Fahrsysteme sei frühestens in den 2030er-Jahren zu rechnen, das ist die Kernaussage der von Experten des Vereins Deutscher Ingenieure und des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik erstellten Studie.

Bisherige praktische Tests hätten technische Herausforderungen offenbart, die bisherige Prognosen zur Verfügbarkeit autonomer Fahrzeuge als zu optimistisch erscheinen lassen.

Technische Schwierigkeiten autonomen Fahrens im öffentlichen Raum seien gravierender als bisher angenommen, heißt es in der Studie.

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Und das sind die Hauptprobleme: "Unerwartete Hindernisse wie parkende Autos auf den einprogrammierten Strecken müssen immer noch durch einen menschlichen Operator manuell umfahren werden", schreiben die Experten.

Auch Kreuzungssituationen und Rechts-Links-Vorfahrten würden nicht automatisch bewältigt.

Wer haftet bei Unfällen mit fahrerlosen Bussen und Bahnen?

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (47, SPD, M.) spricht mit dem Leipziger Verkehrsbetriebe-Chef Ulf Middelberg (54, r.) und Studien-Autor Robert Peters vor einem bislang nicht zugelassenen Kleinbus-Prototypen, der für autonomes Fahren ausgerüstet wird.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (47, SPD, M.) spricht mit dem Leipziger Verkehrsbetriebe-Chef Ulf Middelberg (54, r.) und Studien-Autor Robert Peters vor einem bislang nicht zugelassenen Kleinbus-Prototypen, der für autonomes Fahren ausgerüstet wird.  © Ronald Bonss

Zudem zieht die Industrie nach Ansicht der Autoren nicht mit. Bei Bussen sei bislang "ein unzureichendes Interesse der etablierten Hersteller an der Entwicklung serienreifer Fahrzeuggenerationen mit entsprechenden Assistenzsystemen" zu beobachten, heißt es in der Studie.

"Insbesondere für Fahrzeuge mit mehr als zehn Metern Länge hinkt die Dynamik der Entwicklung den Erfordernissen von ÖPNV-Unternehmen hinterher." Gleiches gelte für das Segment schienengebundener Fahrzeuge.

Auch im Faktor Mensch sehen die Experten Probleme – vor allem bei den Operatoren. "Im Falle menschlichen Eingreifens bei autonomen Fahrsystemen droht eine reduzierte Übernahmeleistung bei begrenzter Übernahmezeit durch mentale Überlastung", warnen die Autoren.

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Die dauerhafte Entlastung des Fahrpersonals von wesentlichen Aufgaben der Fahrzeugsteuerung führe potenziell zu Kompetenzverlust.

Noch völlig ungeklärt ist zudem die Haftungsfrage des Personals in fahrerlosen Bussen und Bahnen, sollte es zu einem Unfall kommen.

Titelfoto: Ronald Bonss

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