"Gieß den Kiez": Leipziger Stadtbäume leiden unter Trockenheit

Leipzig - Wasser schleppen für Bäume in den Großstädten: Um den Pflanzen angesichts zunehmender Trockenheit zu helfen, greifen immer mehr Menschen selbst zur Gießkanne. Der Zustand ist vielerorts dramatisch.

Uwe Buckendahl steht neben einem Straßenbaum auf dem Lindenauer Markt.
Uwe Buckendahl steht neben einem Straßenbaum auf dem Lindenauer Markt.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Dreimal in der Woche füllt Uwe Buckendahl seine beiden roten und gelben Gießkannen und macht sich auf den wenige hundert Meter langen Weg zu "seiner" Linde. 

Der 20 Meter hohe Baum steht ganz in der Nähe von Straßenbahngleisen am Marktplatz in Leipzig Lindenau und sieht gesund aus. Schließlich bekommt der Laubbaum seit einiger Zeit regelmäßig Wasser - dank des 69-jährigen Baumgießers Buckendahl. 

2019 hörte der ehemalige Schulleiter und Geografielehrer von der Aktion "Gieß den Kiez" der Leipziger Stiftung "Ecken wecken" zur Rettung der Bäume in der Stadt. Seither schleppt er regelmäßig Wasser.

"Man sollte nicht immer nur meckern und fordern, sondern auch selbst Verantwortung übernehmen. Ich will es in meinem Kiez doch schön haben", sagt der 69-Jährige.

"Jeder Wassertropfen zählt"

Die Situation für Straßen- und Parkbäume ‎sei anhaltend dramatisch, erklärt auch eine Sprecherin der Leipziger Stadtreinigung. "Jeder Wassertropfen zählt". Vor Beginn des Sommers habe man die Bürger deshalb über soziale Netzwerke dazu aufgerufen, die Bäume vor der Haustür zu gießen.

Die Leipziger Fraktion DIE LINKE will dieses Engagement weiter unterstützen, indem die Stadt die Position aller Straßenbäume auf einer interaktiven Homepage sichtbar machen soll. "Informationen zur Art, zum Wasserstatus und die Lage von möglichen Wasserentnahmestellen sorgen dann dafür, dass Menschen, die helfen wollen, dies auch tatsächlich tun können", so Michael Neuhaus, der umweltpolitischer Sprecher der Fraktion.

Mittlerweile hat der der freiwillige Gießer Uwe Buckendahl seine Linde in Leipzig gegossen, zwei weitere 10-Liter-Kanister gefüllt und auf sein Fahrrad gestellt. Damit fährt er zu zwei anderen Bäumen, für die er eine offizielle Patenschaft von der Stadt übernommen hat. "Einen für meine verstorbene Enkelin und der andere für die sechs anderen Enkel", sagt der ehemalige Schulleiter. 

Uwe Buckendahl gießt einen Straßenbaum auf dem Lindenauer Markt.
Uwe Buckendahl gießt einen Straßenbaum auf dem Lindenauer Markt.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

In den Sommerferien sind einige seiner Enkelkinder dabei, wenn er die Bäume gießt. "So lernen sie auch Verantwortung für die Natur zu übernehmen".

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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