"Jetzt erst recht": Leipziger putzen am 9. November Stolpersteine gegen das Vergessen

Leipzig - Erinnern in Zeiten von Corona: Zwar mussten wegen der Pandemie auch in Leipzig die zentralen Gedenkveranstaltungen zum 9. November abgesagt werden, doch der Erich-Zeigner-Haus e.V. und weitere Akteure rufen zum mittlerweile zur Tradition gewordenen Stolpersteineputzen auf.

In der Leipziger Zentralstraße erinnert ein Stolperstein an Paul Arthur Holke. (Archivbild)
In der Leipziger Zentralstraße erinnert ein Stolperstein an Paul Arthur Holke. (Archivbild)  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

In Leipzig erinnern 565 Stolpersteine an ermordete Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie politisch Verfolgte im Nationalsozialismus. Der Künstler Gunter Demnig (73) verlegt die goldenen Erinnerungstafeln im Pflaster vor den früheren Wohnhäusern der Menschen.

Unter dem Motto "Jetzt erst recht: Gedenken. Verantwortung übernehmen. Menschenfeindlichkeit bekämpfen" nimmt auch das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" teil.

"Das Aktionsnetzwerk wird 17 Uhr in der Pfaffendorfer Straße 18 die Stolpersteine von Anna und Bernhard Landesberg putzen und der beiden gedenken", heißt es von den Veranstaltern.

"Die derzeitigen Entwicklungen machen uns betroffen. Menschen agieren rücksichtslos und gefährden andere. Rechte Kräfte nutzen die fragile Lage im Land für sich aus. Gerade jetzt ist es mehr denn je wichtig zu erinnern und zu mahnen", so Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk.

Die Mahnwachen und das Putzen der Stolpersteine finden am heutigen Montag bis 18 Uhr statt.

"Wir möchten Sie darum bitten, sich und andere in diesen Tagen zu schützen und gemeinsam als Zivilgesellschaft nicht nur durch das Putzen der Stolpersteine an die Opfer und Grauen des Nationalsozialismus zu gedenken, sondern auch gemeinsam als Gesellschaft und Bürgerinnen und Bürger von Leipzig achtsam zu sein und gemeinsam eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern", appelliert das Erich-Zeigner-Haus an die Teilnehmenden.

Bei den Novemberpogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört. Jüdische Bürger wurden misshandelt, verschleppt und ermordet.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Leipzig:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0