Kommentar: Sachsens Polizeichef fungiert als Kugelfang

Leipzig - SEK-Beamte sind Elitepolizisten. Sie müssen sich im Notfall vor Menschen werfen, um sie vor Angriffen zu schützen, etwa vor Gewehrkugeln.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (r.) und Horst Kretzschmar, Landespolizeipräsident von Sachsen (2.v.r.) bei einer Pressekonferenz in Leipzig
Sachsens Innenminister Roland Wöller (r.) und Horst Kretzschmar, Landespolizeipräsident von Sachsen (2.v.r.) bei einer Pressekonferenz in Leipzig  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Sachsens Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar war lange Zeit SEK-Mann, sogar Chef der knallharten Truppe. Aktuell agiert der "Eisenhorst“, wie er in Polizeikreisen ehrfurchtsvoll genannt wird, wieder als Kugelfang.

Bereitwillig wirft er sich vor seinen Innenminister und erklärt allen Ernstes, Roland Wöller (CDU) erst ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Korruptionsskandals bei der Polizei darüber informiert zu haben.

Wohlgemerkt, es geht nicht um unterschlagene Büroklammern oder zwei abhanden gekommene Kaffeepäckchen, sondern um rund 1000 von der Polizei sichergestellte Fahrräder, die von Polizisten illegal verscherbelt worden sein sollen - zumeist an eigene Kollegen.

Korruptionsskandal bei der Polizei: In Sachsen hat das alles seine Richtigkeit

TAG24-Redakteur Alexander Bischoff erwartet, dass Sachsens Innenminister der Öffentlichkeit Aufrichtigkeit und Respekt entgegenbringt.
TAG24-Redakteur Alexander Bischoff erwartet, dass Sachsens Innenminister der Öffentlichkeit Aufrichtigkeit und Respekt entgegenbringt.  © Ralf Seegers

In jedem anderen Bundesland wäre ein Landespolizeipräsident aus dem Amt geflogen, wenn er seinem Minister einen Korruptionsskandal dieses Ausmaßes ein halbes Jahr lang verheimlicht hätte. 

In Sachsen aber hat das angeblich alles seine Richtigkeit.

Hat es nicht. Die Geschichte, die uns Wöller und Kretzschmar da auftischen, erinnert an ein altes jüdisches Sprichwort: "Die halbe Wahrheit ist meistens die ganze Lüge."

Doch am Mittwoch wird sich der Innenminister nicht mehr hinter den breiten Schultern seines LPP verstecken können. Da muss er in den Innenausschuss und Landtagsabgeordneten Rede und Antwort stehen.

Mal sehen, ob er mit seinen Antworten wenigstens dem Parlament die Aufrichtigkeit und den Respekt entgegenbringt, den er der Öffentlichkeit bisher verweigert.

Titelfoto: Montage: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Ralf Seegers

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