Meine Meinung: Polizei muss Korruption in den eigenen Reihen offen aufarbeiten

Leipzig - Innerhalb der sächsischen Polizei sind offenbar jahrelang sichergestellte Fahrräder schwarz verkauft worden. Seit 2019 ermittelt die Antikorruptionseinheit "Ines“ in den eigenen Reihen.

Innerhalb der sächsischen Polizei sollen über Jahre sichergestellte Fahrräder schwarz verkauft worden sein. Dutzende Polizeibeamte stehen im Verdacht, von den Machenschaften profitiert zu haben. (Symbolbild)
Innerhalb der sächsischen Polizei sollen über Jahre sichergestellte Fahrräder schwarz verkauft worden sein. Dutzende Polizeibeamte stehen im Verdacht, von den Machenschaften profitiert zu haben. (Symbolbild)  © macor/123RF

Dutzende Polizeibeamte stehen im Verdacht, von den illegalen Geschäften der einstigen "Zentrale Bearbeitung der Fahrradkriminalität“, kurz "ZentraB Fahrrad“, profitiert zu haben (TAG24 berichtete).

Von Versicherungen freigegebene Fahrräder, die gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden sollten, landeten für kleines Geld in den Familien von Staatsdienern. Die internen Ermittler gehen von mehr als 1000 Rädern aus, die seit 2015 von Polizisten abgezweigt wurden.

Das ist schlimm genug. Unfassbar ist jedoch, dass Polizeiführung und Innenministerium in dieser Sache ein Schweigekartell bilden, den Korruptionsskandal bis heute unter der Decke halten.

Da wird eine 2012 mit viel öffentlichem Bohei gegründete Ermittlungseinheit für Fahrraddiebstahl nach sieben Jahren still und heimlich aufgelöst. Und niemand soll den Grund dafür erfahren. Transparenz geht anders!

Korruption bei der Polizei: Ein offener Umgang ist zwingend notwendig

TAG24-Redakteur Alexander Bischoff
TAG24-Redakteur Alexander Bischoff  © Ralf Seegers

Dass bei der "ZentraB Fahrrad“ Korruption gedeihen konnte, ist vor allem ein systemisches Versagen. Denn die Ermittlungen und die Verwaltung der Asservaten waren nicht voneinander getrennt. 

Alles lief Hand in Hand, gut abgeschirmt nach außen.

Und Kontrolle gab es den internen Ermittlungen zufolge so gut wie keine. Der Chefposten in der ZentraB galt als "Durchlauferhitzer“ für junge Karriere-Kommissare auf dem Weg zum höheren Dienst. Kaum war ein so genannter „Umläufer“ da, war er auch schon wieder weg.

Ein offener Umgang mit strukturellen Fehlern und kriminellen Machenschaften innerhalb der Polizei ist zwingend notwendig. 

Es wäre zumindest der erste Schritt, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Titelfoto: macor/123RF; Ralf Seegers

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