Kritik an "Querdenker"-Demo wegen Vergleich mit Friedlicher Revolution

Leipzig - Das Motto der "Querdenken"-Demonstration gegen die verschärften Corona-Maßnahmen am Samstag in Leipzig stößt auf heftige Kritik.

Bereits im Frühjahr und im Sommer gab es Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Leipzigs Innenstadt. (Archivbild)
Bereits im Frühjahr und im Sommer gab es Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Leipzigs Innenstadt. (Archivbild)  © Ralf Seegers

Auf Ankündigungsflyern werbe die Initiative mit der Parole "Freiheit durch Einheit. Die zweite friedliche Revolution" und ziehe dazu eine inhaltliche Parallele zu den Ereignissen im Herbst 1989 in Leipzig und der gesamten DDR, teilte der Vorsitzende der SPD Leipzig, Holger Mann, am Donnerstag mit.

"Der Gleichsetzung der DDR-Diktatur mit heutigen freiheitlichen Rechtsstaat widersprechen wir vehement. Die DDR war eine Diktatur und keine Pandemie."

Auch der Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe wies die gezogenen Parallelen empört zurück. "Das als Friedliche Revolution 2.0 zu bezeichnen, ist gegenüber diesen Menschen, die damals dabei waren, eine infame Verharmlosung für deren Mut und der Opfer, die sie gebracht haben", sagte er der "Leipziger Volkszeitung".

Viele Menschen in der SED-Diktatur hätten ihren Wunsch nach Freiheit mit Verfolgung, Benachteiligung, Gefängnis oder sogar mit dem Tod bezahlt.

Tausende Demonstranten aus mehreren Bundesländern erwartet

In Dresden fand am vergangenen Wochenende ebenfalls eine "Querdenken"-Demo statt.
In Dresden fand am vergangenen Wochenende ebenfalls eine "Querdenken"-Demo statt.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Der "Querdenken"-Initiator Michael Ballweg betonte, dass es sich bei dem Flyer um eine voreilig gedruckte Version handele. Im offiziellen Flyer heiße es "Geschichte gemeinsam wiederholen - Friedliche Evolution".

"Es ist aber sicherlich eine Anlehnung an die Ereignisse von 1989. Unsere Bewegung ist getrieben von der Sorge um die derzeitigen demokratischen Prozesse und fordert den Rücktritt der Bundesregierung", sagte Ballweg der Deutschen Presse-Agentur.

Bei der Demonstration gegen die von Bund und Ländern beschlossenen Corona-Maßnahmen werden am Samstag in Leipzig mehr als 20.000 Menschen aus verschiedenen Bundesländern erwartet (TAG24 berichtete).

Da es zeitgleich mehrere Gegendemonstrationen gibt, bereitet sich die Polizei eigenen Angaben zufolge einen "sehr intensiven Einsatz vor, weil auf allen Seiten ein gewisses Radikalisierungspotenzial erkennbar ist".

Titelfoto: Ralf Seegers

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