Von Leipzig nach Fojtovice: Ausstellung "Todesmarsch 1945" startet heute im neuen Rathaus

Leipzig - Nach jahrelanger Recherche ist es dem Fotografen Herbert Naumann gelungen, die genaue Route des Todesmarsches von rund 2400 KZ-Häftlingen der Erla-Werke Leipzig zu rekonstruieren. Diese Erkenntnisse werden ab dem heutigen Montag in der Ausstellung "Todesmarsch 1945: Leipzig - Fojtovice" im Neuen Rathaus präsentiert.

Die Ausstellung "Todesmarsch 1945" bietet den Besuchern ungewöhnliche, noch nie zuvor gesehene Bilder der tragischen Route Leipzig - Fojtovice.
Die Ausstellung "Todesmarsch 1945" bietet den Besuchern ungewöhnliche, noch nie zuvor gesehene Bilder der tragischen Route Leipzig - Fojtovice.  © Herbert Naumann/PR

Todesmärsche führten durch ganz Deutschland - und unter anderem auch durch Leipzig. Mehr als 15.000 KZ-Häftlinge aus Buchenwald wurden in der Messestadt zusammengetrieben.

Am 13. April 1945 verließ eine Gruppe mit rund 2400 Häftlingen das Außenlager der Erla-Werke in Richtung Theresienstadt. Der Marsch verlangte den Menschen 500 Kilometer innerhalb von vier Wochen ab, sodass nur 250 von ihnen überlebten. Am 9. Mai 1945 wurden sie von der russischen Armee in Fojtovice befreit.

Fotograf Herbert Naumann wanderte vom 13. April bis zum 9. Mai 2017 auf der Route des Todesmarschs, schoss unterwegs mit seiner analogen Kleinbildkamera Fotos. Mittels Doppelbelichtung kreierte er so Schwarzweiß-Negativfilme.

"Diese Bilder geben keine einfachen Ortsansichten wieder", lautet die Erklärung für die Ausstellungs-Fotos. "Jedes einzelne Motiv bannt zwei Zeitebenen einer gegenwärtigen Landschaft aufs Bild. Die so erreichte Auflösung der gewohnten zeitlichen Ordnung, die so erreichte Durchdringung von Jetzt und Nachher, verstört".

Todesmarsch wird ins kleinste Detail dargestellt

Fotograf Herbert Naumann möchte mit der Ausstellung zum Nachdenken und genauen Hinsehen anregen.
Fotograf Herbert Naumann möchte mit der Ausstellung zum Nachdenken und genauen Hinsehen anregen.  © Herbert Naumann/PR

Naumanns Bilder werden mit unterschiedlichen historischen Dokumenten ergänzt. Dazu gehören unter anderem Protokolle und Augenzeugenberichte, aber auch zahlreiche Notizen und sogar Tagebucheinträge der Überlebenden.

Neben der Ausstellung werden diese Erkenntnisse auch in dem Buch "Todesmarsch 1945: Leipzig - Fojtovice" festgehalten. So wird zum ersten Mal ein Todesmarsch "Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche, Kilometer für Kilometer, vom Beginn bis zur Befreiung" beschrieben.

Begleitend dazu soll im Laufe der kommenden Woche außerdem ein Begleitfilm mit einem Herbert Naumann-Interview auf der Website der Stadt Leipzig veröffentlicht werden.

Besucherinnen und Besucher werden angehalten, auf die gültigen Hygienerichtlinien zu achten. Dazu zählt das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes sowie das Einhalten der Abstände zu anderen Besuchern.

Die Fotoausstellung "Todesmarsch 1945: Leipzig - Fojtovice" wird vom 12. April bis zum 7. Mai 2021 im Neuen Rathaus in der Unteren Wandelhalle präsentiert. Besucher sind an Wochentagen von 8 bis 18 Uhr erwünscht, samstags sind die Öffnungszeiten von 10 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Titelfoto: Herbert Naumann/PR

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