Corona war Fluch und Segen für das Clown-Museum: "Es gibt nichts, was es hier nicht gibt"

Leipzig - Wie alle Museen musste auch das Leipziger Clown-Museum in der Corona-Krise schließen. Sein Betreiber hat die Zeit genutzt. Jetzt gibt es noch mehr Clowns und auch eine Geschichte des Lachens.

Hans-Dieter Hormanns (73) große Leidenschaft sind Clowns – seit über 60 Jahren sammelt er alles rund um die Faxenmacher.
Hans-Dieter Hormanns (73) große Leidenschaft sind Clowns – seit über 60 Jahren sammelt er alles rund um die Faxenmacher.  © Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

Hans-Dieter Hormann (73) hat mit seiner Frau einen der vermutlich ungewöhnlichsten "Eheverträge" aller Zeiten abgeschlossen. Zwei Räume ihrer gemeinsamen Wohnung müssen "Clown-frei" bleiben, so hat es das Paar 1994 vereinbart.

Im Leipziger Clown-Museum sieht man, warum das wohl eine gute Idee gewesen ist. Dort wimmelt es nur so vor roten Nasen. Hormann sammelt seit seinem neunten Lebensjahr alles rund um Clowns. Seit 2008 betreibt er dieses besondere Museum. Die Corona-Pause hat er genutzt, um es zu erweitern.

"Fluch und Segen Corona", sagt Hormann. Zwar habe er monatelang schließen müssen, aber er habe in der Zeit auch seine Sammlung vergrößert. Außerdem hat er sich der Geschichte des Lachens gewidmet und ein großes Schaubild dazu entworfen.

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Rund 25.000 Exponate gehören zum Museum, darunter 8000 Clown-Figuren, 835 Bücher und 600 Zeitungen, die älteste davon aus dem Jahr 1856. "Es gibt nichts, was es hier nicht gibt." Nur einen Bruchteil davon kann Hormann in seinen vier Räumen ausstellen.

In einem der Zimmer, dem "Raum der Clowns", gerät Hormann bei jedem Ausstellungsstück, das er in die Hand nimmt, ins Schwärmen. Es sind viele Original-Utensilien und -Kostüme von bekannten Clowns wie Oleg Popow, Grock oder Charlie Rivel dort vereint.

Etliche Clowns waren auch schon persönlich in seinem Museum. Hormann greift in eine Vitrine und holt ein altes Kosmetik-Set hervor und zeigt außerdem auf eine beschriftete rote Nase. "Das ist der letzte Schminkkasten von Charlie Rivel. Und das ist seine Nase. Die hat er 1991 noch signiert", sagt er fast andächtig.

Seine Sammlung besteht aus rund 25.000 Exponaten, von denen ein Teil im Museum im Leipziger Osten ausgestellt sind.
Seine Sammlung besteht aus rund 25.000 Exponaten, von denen ein Teil im Museum im Leipziger Osten ausgestellt sind.  © Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

Privates Museum ohne öffentliche Förderung

Im Museum kann er schalten und walten, wie er möchte, doch zu Hause gibt es seiner Frau zuliebe auch eine "Clown-freie" Zone.
Im Museum kann er schalten und walten, wie er möchte, doch zu Hause gibt es seiner Frau zuliebe auch eine "Clown-freie" Zone.  © Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

Das Museum betreibt Hormann "reineweg privat", wie der aus dem Rheinland stammende frühere Bauingenieur sagt. Er hat einen Verein gegründet, kommt aber nach eigenen Angaben ganz ohne öffentliche Förderung aus. Damit sticht er in der deutschen Museumslandschaft heraus.

Knapp 7000 Museen gibt es in der Bundesrepublik. Der Museumsbund geht laut einem Sprecher davon aus, dass fast alle davon eine öffentliche Förderung – welcher Art auch immer – erhalten. Hormann sagt, er habe sich bislang vergeblich um Fördermittel bemüht.

Obwohl er gefühlt alles über Clowns weiß und auch alles schon hat, sammelt Hormann immer weiter. Im letzten Auslandsurlaub vor Corona sei er mit seiner Frau in Lissabon gewesen, erzählt er.

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Auch im Urlaub gelte eigentlich die Ansage: "Ohne Clowns!". Doch dann, sagt Hormann und hat die aufziehbare Clown-Figur schon in der Hand, seien sie auf einem Trödelmarkt gewesen. Er dreht den Schlüssel im Rücken der Figur, sie beginnt sich zu bewegen. "Da kann man doch nicht widerstehen", sagt Hormann.

Aber hat denn wenigstens der Vertrag zur Wohnung gehalten? Hormann holt ein Paket gelbe Clown-Bettwäsche hervor. "Das gibt es nicht so häufig!" Eines Tages habe er die noch originalverpackte Bettwäsche im Schlafzimmer hingelegt.

Seine Frau sei in dem Raum gewesen, habe sich dann mit ihm zum Kaffeetrinken hingesetzt und erst nichts gesagt. "Dann schaute sie von ihrer Kaffeetasse auf und sagte: 'Wag es Dir nicht!'" Hormann streicht über die Plastikverpackung und lacht: "Sonst hätte ich solche Bettwäsche."

Titelfoto: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

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