Kein Abstand, keine Maske: Bilanz von Deutschlands erster Club-Party in der Leipziger Distillery

Leipzig - Ausgelassen tanzen, leckere Cocktails schlürfen und ohne schlechtes Gewissen Spaß mit Freunden haben: Was sich die Partymeute in Deutschland seit etlichen Monaten wünscht, ist am Samstagabend wahr geworden: Im Leipziger Techno-Club "Distillery" durften 200 Menschen feiern. Ohne Abstände. Ohne Maske. Aber mit ordentlich viel Aufwand.

Steffen Kache ist Inhaber der Distillery und somit Gastgeber von Deutschlands erster Clubnacht seit Ausbruch des Coronavirus.
Steffen Kache ist Inhaber der Distillery und somit Gastgeber von Deutschlands erster Clubnacht seit Ausbruch des Coronavirus.  © News5 / Grube

Es war die bundesweit erste von den Behörden im Rahmen eines Modellprojekts genehmigte Party in geschlossenen Räumlichkeiten. Vor zwei Wochen hatte die Messestadt bereits mit Deutschlands erstem Indoor-Konzert die Weichen für ein wenig Normalität gestellt.

Samstag war nun also der im Volksmund als "Tille" bekannte Club - Ostdeutschlands ältester und einer der bekanntesten der Republik - an der Reihe.

200 Gästen mussten zuvor vor Ort einen Antigentest durchführen, um an einer PCR-Pooltestung teilzunehmen. Zwei positive Antigentests stellten sich laut Anne Petzold, Medienbeauftragte der Kulturstiftung "Das ist Leipzig", beim PCR-Gurgeltest eindeutig als negativ heraus. Beide Personen durften somit ebenfalls in die Räumlichkeiten, so Petzold zu TAG24.

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Die Tests wurden am Nachmittag durchgeführt. Erst danach öffneten die Tille-Tore für die Feierwütigen, die weder eine Maske tragen noch Abstände einhalten mussten. Eine (fast) ganz normale Clubnacht also, die laut einer zufriedenen Anne Petzold besser hätte kaum laufen können.

Die Gäste mussten zuvor ein Ticket kaufen, sich für die Antigentestung und auch für eine spezielle App registrieren, mit der die PCR-Testungen abgebildet würden. Es folgte der Schnelltest und nach 15 Minuten der PCR. "Auf Dauer müssten wir das noch vereinfachen", wünscht sich Steffen Kache, Inhaber der Distillery.

Die 200 glücklichen Partygäste mussten aber zunächst einen kleinen Bürokratie- und Testmarathon durchlaufen.
Die 200 glücklichen Partygäste mussten aber zunächst einen kleinen Bürokratie- und Testmarathon durchlaufen.  © News5 / Grube

Deutschlands erste Club-Eröffnung in der Distillery: Werkzeug schaffen, um bei vierter Welle nicht wieder schließen zu müssen

Am Ende wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt, gequatscht und getrunken.
Am Ende wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt, gequatscht und getrunken.  © News5 / Grube

Für Steffen Kache war die Party in der vergangenen Nacht ein wichtiger Schritt raus aus der Krise.

Er weiß, dass Abstände und Masken in Clubs "illusorisch" sind, wie er im NEWS5-Interview sagte. Nur wenn man es schaffe, sichere Räume zu bieten, wo man Masken und Abstände nicht mehr benötigt, "können wir über Wiederöffnungen von Clubs nachdenken", so Kache.

Es sei eine gewisse Zuversicht da, da man lange Zeit überhaupt keine Öffnungsperspektive gesehen habe und auch in diesem Jahr nicht mehr mit einem Normalbetrieb gerechnet hatte. Den könnte es aber eventuell geben.

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Ende kommender Woche werden die Clubgänger der gestrigen Nacht erneut getestet, um ein mögliches Infektionsgeschehen zu untersuchen. Und am Samstag steigt die zweite Party. Wieder in der Distillery, wieder mit 200 Personen, wieder ohne Abstände und Masken.

200 Gäste durften sich über eine Clubnacht in der "Tille" freuen.
200 Gäste durften sich über eine Clubnacht in der "Tille" freuen.  © Das ist Leipzig

Mit dem Modellprojekt "wollen wir ein Werkzeug schaffen, sodass wir - wenn wir im Herbst mit einer vierten Welle rechnen - nicht wieder schließen müssen, das wäre das Katastrophalste, was uns passieren könnte", so Clubchef Kache.

Auch wirtschaftlich wäre eine Wiedereröffnung im Regelbetrieb wichtig. Die geflossenen Überbrückungshilfen hätten laut Kache nur ungefähr die Hälfte der Kosten abgedeckt. "Wenn wir nicht wieder öffnen können, werden viele Clubs bis Ende des Jahres in Probleme kommen."

Um 9 Uhr wurden die letzten Partygäste in den Morgen entlassen, um 11.30 Uhr hatte auch das Putzteam ihre Arbeit beendet. Na dann: Bis nächsten Samstag!

Titelfoto: News5 / Grube

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