Leipziger Forscher will Vögel über Raumstation überwachen

Leipzig - Was uns gerade verwehrt wird, gehört zum "Alltag" eines jeden Vogels: Im Herbst geht es in die warmen Winterquartiere in den Süden, wenn die Sonne auch in Deutschland rauskommt, kehren die Federtiere zurück in die Heimat. Was genau unsere heimischen Zugvögel auf ihren Wanderrouten treiben, erforscht ein Professor der Leipziger HTWK. 

In seinem eigenen Garten hat Marco Krondorf das Projekt getestet.
In seinem eigenen Garten hat Marco Krondorf das Projekt getestet.  © MPI f. Verhaltensbiologie / J. Stierle/ HTWK Leipzig

Für dieses Vorhaben haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Radolfzell/Konstanz Amseln und andere wandernde Tierarten mit Sensoren ausgestattet. Jedes Mal, wenn die Raumstation ISS die Tiere überfliegt, fragt diese dann speziell Messwerte ab. 

Damit wollen die Forscher herausfinden, was passiert, wenn einige Vögel auf ihren Wanderrouten verschwinden. Oder etwa, wo etwaige Krankheitserreger aufgeschnappt werden. 

Dass die Funkstreife zwischen der Raumstation ISS und der Vögel so reibungsfrei funktioniert, ist der Verdienst eines Leipziger Wissenschaftlers: 

Marco Krondorf, Nachrichtentechnik-Professor an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig hat die Algorithmen zur Datenübertragung entwickelt. Mitte März wies er die erfolgreiche Kommunikation zwischen Funksensoren und ISS in seinem heimischen Garten in Dresden nach. 

Auch Fische, Fledermäuse und Schildkröten für Projekt geeignet

Krondorf hat die kleinen "Mini-Computer" entwickelt, die Position, Beschleunigung, Temperatur, Magnetfeld und Luftdruck auf der Erde aufzeichnen und dann an die Raumstation schicken. Kein einfaches Unterfangen, schließlich musste das Signal der Funksensoren so stark sein, dass es selbst im Weltraum empfangen werden konnte.

Im Sommer sollen dann die ersten Funksensoren an einigen Amseln befestigt werden. Dann kann das Projekt mit dem Namen "ICARUS" starten.

Perspektivisch sollen nicht nur die Wanderungen von Amseln erforscht werden. Auch Fledermäuse und Flughunde, Meeresschildkröten und Fische sowie große Tiere sollen vom Weltraum aus beobachtet werden. Denn oft fliehen Tiere vor Erdbeben und anderen Naturkatastrophen, bevor der Mensch die drohende Gefahr bemerkt.

Die Daten aus Krondorfs Projekt könnten so die Schwarmintelligenz der Tiere für den Menschen nutzbar machen und für den Katastrophenschutz eingesetzt werden. 

Titelfoto: MPI f. Verhaltensbiologie / J. Stierle/ HTWK Leipzig

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