#Kulturgesichterleipzig im TAG24-Interview: "Wir sind noch da, wir geben nicht auf!"

Leipzig - Seit März vergangenen Jahres ist die Kultur- und Veranstaltungsbranche von den Corona-Maßnahmen und den damit verbundenen Veranstaltungsverboten betroffen. In ganz Deutschland kämpfen Kulturschaffende um ihre Existenz. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, startete Ende des Jahres in Leipzig die Aktion #Kulturgesichterleipzig und #ohneunsistsstill. TAG24 hat mit der Pressekoordinatorin der "Kulturgesichter Leipzig", Marie-Luise Reber, über die Aktion, ihre Ziele und die Lage der Kulturbranche in Leipzig gesprochen.

Marie-Luise Reber von der Aktion #Kulturgesichter und #ohneunsistsstill.
Marie-Luise Reber von der Aktion #Kulturgesichter und #ohneunsistsstill.  © Enrico Meyer

TAG24: Hallo Marie, wie steht es aktuell um die Kulturszene in Leipzig?

Marie-Luise Reber: Hi Eric, und erst einmal willkommen im neuen Jahr 2021. Nun ja, ich schätze durchwachsen, kämpferisch & nach wie vor existenzbedrohend. Wir schauen trotzdem hoffnungsvoll ins Jahr.

TAG24: Welche Forderung habt ihr als Kulturgesichter Leipzigs?

Marie-Luise Reber: Mit der Aktion geht es uns weniger darum, Forderungen zu stellen. Es geht mehr darum, die vielen Gesichter hinter den Veranstaltungen zu zeigen. Wie vielfältig wir sind und vor allem, wie viele wir sind. Und dass wir Leipziger dieser Branche bundesweit im Einsatz sind, mit einer enormen Wirtschaftskraft, die über Jahrzehnte sehr viel Steuergeld in die kommunalen Kassen gebracht haben und die die Kultur unserer Stadt am Leben halten. Deren Existenz aktuell maximal bedroht ist.

Zum einen wissen die meisten gar nicht, wie viele Menschen hinter einer Show, einem Konzert oder einer Aufführung mitwirken. Die meisten kennen ja nur die, die auf der Bühne stehen. Dass da aber noch viel mehr dahinter steckt, das wollen wir zeigen. Zum anderen haben Gesichter natürlich noch einmal eine ganz andere Wirkung. Das sind reale Menschen und nicht nur ein Name.

Mit einer Porträtserie machen Leipzigs Kulturschaffende aktuell unter anderem auf Facebook und Instagram auf sich und ihre Situation aufmerksam.
Mit einer Porträtserie machen Leipzigs Kulturschaffende aktuell unter anderem auf Facebook und Instagram auf sich und ihre Situation aufmerksam.  © Enrico Meyer

"Wir haben gesehen, dass die Solidarität groß ist mit der Branche"

Knapp 280 Menschen sollen bereits an dem Shooting teilgenommen haben.
Knapp 280 Menschen sollen bereits an dem Shooting teilgenommen haben.  © Enrico Meyer

TAG24: In den vergangenen Monaten mussten Bund und Länder einiges an Kritik aushalten, wenn es um Hilfen für die Kulturbranche ging. Andere Industriezweige erhalten Milliarden, während ihr am Hungertuch nagt, so der Grundtenor. Gab es auch Positives für euch als Kulturschaffende zu verkünden?

Marie-Luise Reber: Wir haben gesehen - und das hat sich auch wieder bei den Shootings gezeigt -, dass die Solidarität groß ist mit der Branche. Das gilt übrigens für alle Städte in Deutschland, die diese Aktion durchführen. Wir merken, dass Kultur- und Veranstaltungsbranche durchaus systemrelevant sind. Dass es Menschen da draußen gibt, denen die Kultur als Ausgleich, als Sprachrohr wichtig ist. Nun muss das auch noch ganz oben ankommen.

TAG24: Kommen wir auf die Kulturgesichter zu sprechen: Wie ist die Aktion zustande gekommen und wie viele Kulturschaffende der Messestadt konntet ihr bisher dafür zusammentrommeln?

Marie-Luise Reber: Die Aktionen #ohneunsistsstill und #Kulturgesichter sind eine Initiative der Veranstaltungsbranche deutschlandweit, die seit Mitte März vom bestehenden Veranstaltungsverbot betroffen ist. Wir sind die Gesichter neben, hinter und auf den Bühnen und möchten auf lokaler Ebene auf die prekäre Situation der Kulturschaffenden vor und hinter den Kulissen in unserer Stadt aufmerksam machen. Und wir wollen zeigen, dass wir alle unseren Job mit Leidenschaft machen. Dass dies oft mehr als nur ein Job ist und dass wir diesen eben auch machen, weil wir es lieben, Menschen zum strahlen, weinen, nachdenken oder tanzen zu bringen. Und in dem Rahmen haben wir uns zusammengefunden, bunte Mischung, bunte Truppe. Jeder kennt irgendwie auch jemanden, den es betrifft oder ist selbst betroffen und dann haben wir losgelegt.

Aktuell sind wir bei knapp 280 geshooteten Gesichtern und planen noch ein weiteres Shooting in diesem Jahr. Je mehr desto besser, wir freuen uns über jeden. Wer noch teilnehmen möchte, kann dies mit einer Mail an info@kulturgesichterleipzig.de tun. Darunter sind natürlich auch ganz bekannte Gesichter, wie Sara Lesch, André Hermann oder die Prinzen. Aber eben auch ganz viele, deren Namen man eben nicht immer unbedingt kennt, weil sie hinter den Kulissen die Shows am Laufen halten. Wir wollen zeigen: Wir sind noch da, wir geben nicht auf, wir kämpfen für euch und für uns. Aber gebt uns auch nicht auf und habt Vertrauen in uns!

"Wir haben noch einige Ideen für die kommenden Wochen"

Für die Zeit nach der Porträtserie soll es bereits weitere Ideen geben.
Für die Zeit nach der Porträtserie soll es bereits weitere Ideen geben.  © Enrico Meyer

TAG24: Aktuell macht ihr mit einer Porträtserie auf Facebook und Instagram auf eure Situation aufmerksam. Sind bereits weitere Aktionen geplant?

Marie-Luise Reber: Neben unserer Website und den sozialen Medien sind die Bilder auch innerhalb der Stadt auf zahlreichen Plakaten, vor allem im Umkreis der Club- und Kulturszene zu sehen. Und auch ein weiteres Shooting, wie gerade schon gesagt, planen wir - wenn wir dann wieder dürfen. Zudem haben wir noch einige Ideen für die kommenden ruhigen Wochen. Mehr möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Stay tuned - über Instagram und Facebook lassen wir es euch wissen.

TAG24: Letzte Frage: Wenn Corona morgen vorbei wäre, was würdest du als erstes tun?

Marie-Luise Reber: Ich glaube, ich würde mir ALLE meine Mädels, mit deren Familien, meine Familie und Freunde schnappen - sie stundenlang umarmen, wir würden tanzen gehen zur besten Musik in town, im Regen mit Wein und einfach glücklich sein. Also würde ich wahrscheinlich eine Party schmeißen mit anschließendem Sonnenaufgang.

Mehr Informationen über die Aktion #Kulturgesichter und #ohneunsistsstill findet Ihr auf Facebook, Instagram und unter kulturgesichterleipzig.de.

Titelfoto: Montage: Enrico Meyer

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