Arzt erklärt im Riverboat: Corona ist Ostern noch nicht vorbei

Leipzig - Auch das MDR-Riverboat blieb am Freitagabend nicht verschont von neuen Hygiene-Vorschriften in Zeiten des grassierenden Coronavirus. Passend zur derzeit allgegenwärtigen Thematik hatte das Team den Allergologen und Umweltmediziner Prof. Dr. Wolfgang Schütte eingeladen.

Prof. Dr. Wolfgang Schütte war am Freitag zu Gast im MDR-Riverboat, um dort über die Coronakrise zu sprechen.
Prof. Dr. Wolfgang Schütte war am Freitag zu Gast im MDR-Riverboat, um dort über die Coronakrise zu sprechen.  © Screenshot/MDR Riverboat

"Wenn Sie am Abend gefragt werden, wie Ihr Tag war: Was antworten Sie?“, wollte Moderator Jörg Kachelmann (61) zuerst wissen. Der Arzt antwortete ehrlich und offen: "Unheimlich anstrengend und stressig. Ganz viele Entscheidungen sind zu fällen und Dinge zu lösen, die man vorher noch nicht gekannt hat." 

Die Situation in deutschen Krankenhäusern sei im Vergleich zu den europäischen Nachbarn Italien oder Frankreich noch entspannt. "Wir sind, so glaube ich, sehr gut vorbereitet. Im Moment gehen die Entscheidungen eher in die Richtung, dass wir überlegen: 'Wie können wir uns auf den Ernstfall vorbereiten?‘ Wir schaffen Ressourcen, sagen Routine-OPs ab, um Platz zu haben für mögliche Patienten mit einer Corona-Erkrankung."

Dass die Talkshow überhaupt stattfand, wenn auch unter verschärften Hygiene-Bedingungen, sorgte im Netz für Zündstoff. "Die Situation, die sie heute hier bei uns im Studio und hinter den Kulissen vorgefunden haben, mit unseren Hygiene- und Abstandsmaßnahmen, unseren Mundschutzmasken: Können Sie sagen, das ist so vertretbar? Ich habe heute in den sozialen Medien gelesen, dass wir überhaupt kein Fernsehen mehr machen sollen", so Kachelmann.

Der Experte beruhigte:  "Also, ich bin weiterhin der Ansicht, dass bestimmte soziale Kontakte sein müssen. Und wenn Sicherheitsvorkehrungen so eingehalten werden, wie Sie das hier rund um die Sendung tun, dann halte ich das für nicht gefährlich. Hier bin ich deutlich beruhigter als an anderen Orten."

Ostern bereits zusammen feiern? "Das halte ich für unverantwortlich"

Moderator Jörg Kachelmann hatte da auch gleich ein paar Fragen an ihn.
Moderator Jörg Kachelmann hatte da auch gleich ein paar Fragen an ihn.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Zwei Dinge lassen den Mediziner trotz steigender Corona-Fallzahlen in Deutschland hoffen: 

"Einmal, dass diese ganzen Quarantäne-Maßnahmen in der Bevölkerung durchgeführt werden und die Ansteckungsgefahr mindern. Und zum Zweiten, dass wir unsere Krankenhäuser gerade wirklich leer räumen, um Platz für diese Patienten zu haben. Wir versuchen, so wenig wie möglich die Intensivstationen zu belegen."

Der Experte hofft, dass die Corona-Inflationskurve bereits im April flacher wird, aber für das Osterfest macht er sich nicht allzu große Hoffnungen. 

"Ich glaube nicht, dass man Ostern schon in größeren Gruppen wieder feiern kann. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das halte ich auch für unverantwortlich", so Schütte.

Der Mediziner geht davon aus, dass wir zunächst einen Anstieg der Fallzahlen erleben, würden die Maßnahmen gelockert. "Und dann muss man sich gut überlegen, ob man nicht bestimmte Gruppen mit Massentests testet, um einen steilen Anstieg zu verhindern. Und überlegen, welche Lockerungen man durchführt. Einen leichten Anstieg wird es bestimmt geben nach Lockerung der Maßnahmen."

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Titelfoto: Screenshot/MDR Riverboat

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