"Keine Geisterspiele!" Bodo Ramelow im "Riverboat" zum Neustart im Fußball

Leipzig - Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) war am Freitagabend Gast in der Talkrunde im MDR-Riverboat. Seine Sichtweise auf die Corona-Krise und seine Ansichten zur schrittweisen Rückkehr in den Alltag waren da natürlich Gesprächsthema Nummer 1! 

Bodo Ramelow (64, die Linke) ist erstaunt darüber, dass die Geisterspiele bereits diskutiert werden - während Eltern mit ihren Kindern nicht mal auf den Spielplatz gehen dürfen.
Bodo Ramelow (64, die Linke) ist erstaunt darüber, dass die Geisterspiele bereits diskutiert werden - während Eltern mit ihren Kindern nicht mal auf den Spielplatz gehen dürfen.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Und was er dort vor allem in Richtung der Fußballbosse zu sagen hatte, wird wohl den wenigsten Verantwortlichen schmecken. Und so manchem Fan sicherlich auch nicht.

Denn: Seit Wochen wird diskutiert, wann und vor allem wie die Spiele fortgesetzt werden können - trotz Corona. Aber genau diese Diskussion verärgert Ramelow. 

"Wenn man Boulevard-Medien guckt, dann denkt man, 40 Millionen Männern in Deutschland würde augenblicklich der Schniedel abfallen, wenn nicht sofort die Bundesliga wieder losgehen würde. 

Ist es systemwichtig, dass die Bundesliga wieder losgeht? Wie schätzen Sie diesen Druck ein?", hakte Moderator Jörg Kachelmann (61) kritisch nach.


Ramelow kritisiert: Fußball statt Kinderspielplätze?

Ramelow zeigt sich erstaunt darüber, dass die Thematik schon jetzt von Vereinen in den Medien diskutiert wurde. "Ich erlebe den Druck gerade, weil wir in der Videokonferenz mit der Bundeskanzlerin besprochen hatten, dass wir das eigentlich in Ruhe vorbereiten wollten und nicht nur für die Bundesliga, sondern für alle Sportarten, gegliedert nach den Sportsystemen", so Ramelow.

"22 Männer, die auf dem Platz rumlaufen, sollen jede Woche eine Test bekommen und das würde anderen nicht weggenommen - also diese Tests - so habe ich einen Brief vom DFB bekommen. Und da muss ich ehrlich sagen, diese Argumentation als wirtschaftliche Argumentation - also 130 Millionen Euro Ligarechte und Fernsehrechte werden zur Verfügung gestellt, damit diese erste und zweite Liga Geisterspiele durchführt - und das aus rein wirtschaftlichen Gründen. 

Dann sage ich: Das haben unsere Hoteliers und Gastronomen auch verdient. Da kann man nicht sagen: Fussball zuerst und dann hängen alle anderen wirtschaftlichen Bereiche hinten dran", findet der Ministerpräsident.

Inhaltlich treibe ihn vor allem eine Sache um in dieser Debatte: "Dass Kinderspielplätze gerade zu sind - und zwar aus Infektionsschutzgründen, damit sich Kinder und deren Familien nicht anstecken. Kinder müssen trotzdem spielen und toben können. Und dann sage ich als allererstes, ich lasse Fussballspiele wieder zu. Das passt nicht."

Ostdeutsche dritte Liga: "Wir brauchen die Zuschauer!"

Der DFB fordert die Durchführung von Geisterspielen - also ohne Publikum.
Der DFB fordert die Durchführung von Geisterspielen - also ohne Publikum.  © imago images/MIS

"Und die dritte Liga - und das sage ich mal als Ostdeutscher, die dritte Liga sagt, die ostdeutschen Vereine sagen: 'Lasst es. Keine Geisterspiele. Wir brauchen die Zuschauer, um ökonomisch überhaupt überleben zu können.' 

Also, während man für die erste und zweite Liga ökonomisch argumentiert, läßt man die dritte Liga außen vor. Und das führt dazu, dass da einige Vereine überhaupt nicht mehr die Kurve kriegen. 

Diese Ungleichzeitigkeit kann ich nicht akzeptieren. Ich bitte darum, dass wir gemeinsam festlegen, als Verantwortungsträger: Die, die sich am wenigsten infizieren können, sind die ersten, die wieder in einen Alltag übergehen können. 

Wir legen gerade Festivals still - und sagen aber, Geisterspiele in der Bundesliga fürs Fernsehen können wir uns vorstellen. Da gibt es eine Disparität. 

Und wenn da soviel Geld im Spiel ist, dann sage ich, es wäre auch solidarisch, allen anderen Fussball- und Sportvereinen einen Teil des Geldes zur Verfügung zu stellen, dann könnte man mit den Fernsehminuten noch was anderes machen."

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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