Sensationelle Entdeckung: Forscher finden auf Leipziger Friedhof Plastikmüll-Fresser

Leipzig - Es sind die schmutzigen Hinterlassenschaften unserer Wegwerfgesellschaft: Obstschalen, Folien, Einwegflaschen aus PET. Plastikmüll verschmutzt vor allem unsere Meere und Flüsse. In Leipzig haben Forscher jetzt ein Enzym entdeckt, das PET-Kunststoff in Rekordzeit abbaut. Gefunden wurde der "Plastikfresser" auf dem Leipziger Südfriedhof.

Er und sein Team entdeckten den PET-Killer: Dr. Christian Sonnendecker (37) bei der Forschungsarbeit.
Er und sein Team entdeckten den PET-Killer: Dr. Christian Sonnendecker (37) bei der Forschungsarbeit.  © Swen Reichhold

PET begegnet uns im Alltag fast überall. Doch kaum jemand weiß, dass der aus Erdöl hergestellte Kunststoff eine wahre Umweltplage ist. Mehr als 450 Jahre dauert der Abbau einer weggeworfenen PET-Flasche. Wird sie thermisch recycelt, entstehen CO₂ und giftige Gase.

Doch jetzt scheint Forschern vom Institut für Analytische Chemie der Universität Leipzig ein Durchbruch beim biologischen Abbau von PET gelungen zu sein.

Das Team um Dr. Christian Sonnendecker (37) machte sich auf die Suche nach einem Enzym, das Plastik zersetzen kann - in der Fachwelt "polyesterspaltende Hydrolase" genannt.

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Kein Scherz: Fündig wurden die Wissenschaftler im tiefsten Inneren von Laubkomposthaufen des Leipziger Südfriedhofes.

Leipziger Entdeckung könnte weltweites Plastikmüll-Problem minimieren

Weintrauben-Schale auf Friedhofskompost: Das im Labor extrahierte PHL7-Enzym zerlegt PET-Kunststoff binnen 24 Stunden.
Weintrauben-Schale auf Friedhofskompost: Das im Labor extrahierte PHL7-Enzym zerlegt PET-Kunststoff binnen 24 Stunden.  © Bildmontage: Ralph Seegers

Aus dem Mist isolierten die Chemiker mittels DNA-Technik insgesamt sieben Enzyme und ließen sie auf PET los. Und Nummer 7 stellte alles bisher Bekannte in den Schatten.

"Innerhalb von 16 Stunden zersetzte PHL7 das PET zu 90 Prozent", berichtet Sonnendecker. In der gleichen Zeit hätte das 2012 von Japanern entdeckte LCC-Enzym gerade mal 45 Prozent geschafft. Sonnendecker: "Unser Enzym ist also doppelt so aktiv wie der Gold-Standard unter den polyesterspaltenden Hydrolasen."

Im Leipziger Uni-Labor ließ sich so eine Weintrauben-Schale aus dem Supermarkt binnen 24 Stunden komplett zersetzen. Und zwar in jene Bestandteile, aus denen im Anschluss wieder neuer PET-Kunststoff hergestellt werden kann. Ein geschlossener Kreislauf, der helfen kann, das weltweite Plastikmüll-Problem zu minimieren.

Die Leipziger Forscher suchen nun nach Partnern aus der Industrie, die in das PHL7-Projekt investieren wollen. Ihr Ziel ist es, in den nächsten drei Jahren eine Pilot-Anlage zum biologischen PET-Recycling zu errichten.

Titelfoto: Bildmontage: Ralph Seegers

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