Land und jüdische Gemeinde stellen Pläne für Gedenken an Halle-Attentat vor

Halle (Saale) - Die Jüdische Gemeinde Halle, die Stadt und das Land wollen am Donnerstag um 14 Uhr ihre Pläne für das erste Jahresgedenken des Attentats von Halle vorstellen. 

Jahrestag: Am 9. Oktober soll den Opfern des Halle-Attentats gedacht werden. (Archiv)
Jahrestag: Am 9. Oktober soll den Opfern des Halle-Attentats gedacht werden. (Archiv)  © Swen Pförtner/dpa

Dabei werden Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Sozialministerin Petra Grimm-Benne, der Präsident der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki sowie Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) erwartet. Zunächst war nur bekannt, dass es mehrere Veranstaltungen geben soll. 

Am 9. Oktober jährt sich der rechtsterroristische Anschlag von Halle zum ersten Mal.

An diesem Tag hatte ein rechtsradikaler Terrorist die Synagoge von Halle angegriffen. Darin feierten gerade 52 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur (TAG24 berichtete). 

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Nachdem der Attentäter mit seinen selbstgebauten Waffen und Sprengsätzen jedoch nicht auf das Gelände der Synagoge kam, erschoss er eine zufällig vorbeikommende Passantin und fuhr weiter zu einem Döner-Imbiss, wo er einen 20-Jährigen erschoss. 

Der Mann filmte die Tat und streamte das Video live ins Internet. In Magdeburg läuft seit dem 21. Juli der Prozess um den Anschlag. 

Angeklagt ist der 28-jährige Sachsen-Anhalter Stephan Balliet.

Update, 17 Uhr: Mehrere Veranstaltungen zum Gedenken an Halle-Anschlag geplant

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (links) berät mit Petra Grimm-Benne (SPD), Sozialministerin Sachsen-Anhalt, und Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, über die Planung für das erste Jahresgedenken des Attentats von Halle. Max Privorozki, Präsident der Jüdischen Gemeinde Halle, ist per Video zugeschaltet.
Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (links) berät mit Petra Grimm-Benne (SPD), Sozialministerin Sachsen-Anhalt, und Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, über die Planung für das erste Jahresgedenken des Attentats von Halle. Max Privorozki, Präsident der Jüdischen Gemeinde Halle, ist per Video zugeschaltet.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Um 12.01 Uhr am 9. Oktober, dem Zeitpunkt der ersten Schüsse auf die Tür der Synagoge, soll das öffentliche Leben in Halle für zwei Minuten stillstehen und alle Kirchenglocken der Stadt läuten.

Im Hof der Synagoge will die Gemeinde am Nachmittag ein Mahnmal enthüllen, in das auch die frühere Tür der Synagoge eingearbeitet ist. Anschließend sollen dann zunächst vor der Synagoge und im Anschluss auf dem Bürgersteig vor dem Döner-Imbiss jeweils eine Gedenktafel eingeweiht werden. 

Um 17.30 Uhr soll in der Ulrichskirche eine Gedenkveranstaltung stattfinden. Wegen der Pandemie sollen nur 100 Gäste eingeladen werden, darunter Überlebende des Anschlags. Die Veranstaltung soll aber unter anderem in die Marktkirche, die Martin-Luther-Universität und die Oper Halle übertragen werden.

Neben den Gedenkveranstaltungen will die Landesregierung rund um das Gedenken auch mehrere politische Signale setzen. So kündigte Haseloff eine auswärtige Kabinettssitzung in Halle an. Dabei soll das Kabinett am 6. Oktober ein Landesprogramm gegen Antisemitismus verabschieden. Das sehe unter anderem vor, dass der Schutz jüdischer Einrichtungen im Land mit in den Staatsvertrag der jüdischen Gemeinden mit dem Land aufgenommen werden soll.

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) kündigte außerdem eine Demokratie-Konferenz am 9. Oktober in Halle an. Daran sollen neben Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) auch Überlebende des Anschlags teilnehmen.

Titelfoto: Swen Pförtner/dpa

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