"Wir werden es nicht überleben": Gastronomen demonstrieren auf dem Augustusplatz

Leipzig - Auf dem Augustusplatz fordern Gastronomen am Freitag erneut mit leeren Stühlen weitere Unterstützung in der Krise.

Deutschlandweit haben Gastronomen am Freitag erneut mit leeren Stühlen ein Zeichen gesetzt.
Deutschlandweit haben Gastronomen am Freitag erneut mit leeren Stühlen ein Zeichen gesetzt.  © privat

Obwohl das Hotel- und Gaststättengewerbe deutschlandweit wieder eröffnet werden soll, finden heute im ganzen Land weitere Proteste der Branche statt. Die Initiative "Leere Stühle" wird in vielen deutschen Städten auf die Situation aufmerksam machen. 

Ab 11 Uhr werden auch Leipzigs Gastronomen, wie schon zwei Wochen zuvor, hunderte Stühle als Zeichen des Protestes auf den Augustusplatz stellen.

Unter dem Motto "Wir geben den Löffel ab" fordern die Gastwirte außerdem einen Rettungsfonds für die Gastronomie, die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes, nachhaltige Wiedereröffnungsbedingungen und die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent.

Geplant ist, dass Mitarbeiter, unter Einhaltung des Sicherheitsabstands, ihre mitgebrachten Löffel in eine Kiste werfen oder an den Zaun hängen. Die Löffel aus ganz Deutschland werden gesammelt und sollen in Berlin an geeigneter Stelle abgeworfen werden.

In Sachsen dürfen die gastronomischen Betriebe ab 15. Mai wieder öffnen. Durch Abstands- und Hygienevorschriften werden die Restaurants trotz gleichbleibender Ausgaben dennoch weiterhin hohe Umsatzeinbußen haben.

UPDATE, 15.45 Uhr: "Wir verkaufen ein Lebensgefühl und wenn wir das nicht mehr verkaufen können, wird die Branche einfach kaputtgehen!"

Auf dem Leipziger Augustusplatz wurden hunderte Stühle aufgestellt.
Auf dem Leipziger Augustusplatz wurden hunderte Stühle aufgestellt.  © privat

Die Aktion, in deren Vorfeld eine Vielzahl von Gastronomen mehrere hundert Stühle auf dem Platz vor der Oper verteilt haben, hat zahlreiche Mitarbeiter, die ihre Betriebe unterstützen wollten, in die Innenstadt gelockt.

Einem kollektiven Trauermarsch, der sich vom symbolischen Sarg Richtung Oper erstreckte, ging das "Entsorgen" unzähliger Löffel voraus, vereinzelt wurden Blumen niedergelegt.

Alle Betreiber freuen sich natürlich, dass sie Mitte Mai wieder öffnen dürfen, damit sei es aber nicht getan. "Wir werden es in dieser Form nicht überleben!", so Lutz Albrecht, Betreiber mehrerer Objekte in und um Leipzig.

Gastronom Henrik Dantz fordert nachdrücklich: "Wir erhoffen uns heute hier, wie jeden Freitag, Aufmerksamkeit. Wir wollen wachrütteln und wollen das Bewusstsein der Regierung und der Bevölkerung wecken, dass es uns gibt, dass wir wichtig sind und dass wir sehr wenig Unterstützung erhalten."

Im Einzelnen geht es darum, dass auch nach der Wiederöffnung gastronomischer Einrichtungen nicht die üblichen Umsätze erzielt werden können, annähernd 100 Prozent Kosten können somit kaum gedeckt werden. "Da ist ein nachhaltiges wirtschaftliches Arbeiten unter diesen Bedingungen nicht möglich", sagt Gitta Niemann, ebenfalls ortsansässige Gastronomin. 

Und weiter: "Man geht davon aus, dass es langfristig gesehen 20 Prozent der Gastronomen nicht mehr geben wird." Neben einem Rettungsfonds für die Einrichtungen sei eine sofortige Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 80 Prozent für die Mitarbeiter dringend notwendig. "Gerade die Mitarbeiter leiden sehr unter der Situation. Nicht jeder ist in der Lage, das Kurzarbeitergeld aufzustocken."

In Leipzig ist man sich noch immer nicht sicher, ob die Wiederöffnungen am 15. oder 18. Mai stattfinden werden. René Stoffregen, gastronomischer Leiter von "Auerbachs Keller", verärgert: "Wir brauchen jetzt endlich mal Richtlinien, wann und unter welchen Bedingungen wir wieder aufmachen dürfen."

Die Forderungen der Gastronomen sind eindeutig.
Die Forderungen der Gastronomen sind eindeutig.  © privat
Unter dem Motto "Wir geben den Löffel ab" wurde die Gastronomie symbolisch zu Grabe getragen.
Unter dem Motto "Wir geben den Löffel ab" wurde die Gastronomie symbolisch zu Grabe getragen.  © Juliane Bonkowski

Lutz Albrecht fasst zusammen: "Das sind alles Dinge, die funktionieren nicht in einer Branche, die auf ein Lebensgefühl hinarbeitet. Wir verkaufen ein Lebensgefühl und wenn wir das nicht mehr verkaufen können, wird die Branche einfach kaputtgehen!"

Titelfoto: privat

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