Nach Bagger-Besetzung in Connewitz: Grundstück wird weiter bebaut

Von Anke Brod

Leipzig - Trotz Bürger-Blockaden und Einwänden der hiesigen Umweltschützer werden die Bauarbeiten an der Hildebrandstraße in Leipzig-Connewitz weiter fortgeführt.

Rund einen Monat nach der Besetzung des Baggers wird auf dem Grundstück in Leipzig-Connewitz schon wieder fleißig gebaut.
Rund einen Monat nach der Besetzung des Baggers wird auf dem Grundstück in Leipzig-Connewitz schon wieder fleißig gebaut.  © Anke Brod

Am 7. Mai dieses Jahres hatte der couragierte Anwohner Willi Richter auf dem Eckgundstück zwischen Bornaischer- und Hildebrandstraße zum Erhalt dort gesichteter Zauneidechsen spontan morgens um 6 Uhr den bereitstehenden Bagger besetzt.

Nach mehreren Telefonaten mit der Stadt Leipzig hoch oben auf der gelben Baumaschine hatte er tatsächlich einen temporären Baustopp für die geplanten Eigentumswohnungen "Hildebrands Eck" erwirkt. Willi wurde dieser Tage von der Tierschutzorganisation PETA für das beherzte Engagement ausgezeichnet.

Nachdem an jenem Freitag die Polizei gerade ums Eck verschwunden war, markierten Arbeiter den Baugrund plötzlich mit roter Farbe und hoben unbeirrt großflächige Erdstellen aus. Dem Vernehmen nach sollten es Bodenproben gewesen sein. Anwohnern und Medienvertretern kam der Erdaushub allerdings suspekt vor, so dass die Ordnungshüter schließlich ein zweites Mal anrückten.

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Zum Wochenende nach der Besetzung herrschte an der Hildebrandstraße 40 vorerst Ruhe. Der Bagger war abgezogen, die Erdkrater hatte der Bauherr im Beisein seines argwöhnischen Publikums wieder zuschütten lassen.

Baustopp wegen unklare Gehölzrodungen an "Hildebrand's Eck

An "Hildebrand's Eck" soll wie auf dem Plakat dargestellt ein ganz neues Wohnareal entstehen.
An "Hildebrand's Eck" soll wie auf dem Plakat dargestellt ein ganz neues Wohnareal entstehen.  © Anke Brod

Das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt Leipzig äußerte sich seinerzeit TAG 24 gegenüber zu den Vorfällen am 7. Mai.

Eine Baugenehmigung für das Grundstück an der Hildebrandstraße 40 sollte zunächst bis zum Jahre 2018 vorgelegen haben. 2019 wurde sie angeblich wegen einer Antrags-Änderung erneut beschieden.

Der vorübergehende mündliche Baustopp am 7. Mai wurde demnach tatsächlich aber wegen zuvor ungeklärter und umstrittener Baum- und Gehölzfällungen sowie dem vermuteten Zauneidechsenbestand auf dem Areal verhängt.

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Nach einer Grundstücksbegehung am 11. Mai durch Amtsvertreter erfuhr TAG24 von der Stadt:

"Es wurden keine Hinweise auf eine Ansiedlung von Zauneidechsen oder ähnlich schützenswerte Tiere auf dem Grundstück vorgefunden. Der Zeitpunkt der Baumfällungen konnte vor Ort nicht exakt festgestellt werden. Ein entsprechender Nachweis darüber, wann die Fällungen erfolgt sind, steht aktuell noch aus und soll gegenüber dem Amt für Umweltschutz noch beigebracht werden. Mit den Arbeiten auf dem Grundstück kann von Seiten des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege wieder begonnen werden."

Letzeres geschah zum Leidwesen der Connewitzer Naturschützer bald darauf. Und seit dieser Woche prangt auf einem Bagger gar die Deutschlandflagge! Provokation oder Vorfreude auf die bevorstehende Fußball-EM? Man weiß es nicht wirklich. Laut Anwohnerberichten aber hat der Bauherr inzwischen das Abnehmen der Fahne veranlasst...

Titelfoto: Anke Brod

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