Bagger frisst sich trotz Bauverbots und Polizei in Connewitzer Eckgrundstück!

Von Anke Brod

Leipzig - Tatort Hildebrandstraße 40 in Connewitz: Hier sollte am Freitagmorgen trotz sehr zweifelhafter Umstände der Erdaushub für neue Eigentumswohnungen beginnen. Trotz Baggerbesetzung ab 6 Uhr früh durch einen Anwohner, Polizei vor Ort und lautstarker Bürgerproteste fraß sich die Baggerschaufel zunächst tief in den Boden hinein.

Der Aktivist setzte sich am frühen Freitagmorgen auf den Bagger und blockierte die Baumaßnahmen.
Der Aktivist setzte sich am frühen Freitagmorgen auf den Bagger und blockierte die Baumaßnahmen.  © Anke Brod

Bürger und Journalisten sowie ein Vertreter des Leipziger Naturschutzbundes (NABU) staunten nicht schlecht: Nachdem die Polizei gerade um die Ecke verschwunden war und der ausführenden Baufirma dem Vernehmen nach jegliche Tätigkeit auf dem Eckgrundstück untersagt wurde, markierten die Arbeiter das Areal plötzlich mit roter Farbe und hoben unbeirrt großzügig Erdstellen aus.

Der Baggerfahrer lachte währenddessen laut auf.

Während Beobachter erneut die Polizei riefen, blockierten Besetzer den Bagger geistesgegenwärtig zum zweiten Mal. Erst danach leisteten die Arbeiter dem ausgesprochenen Bauverbot Folge und versprachen noch im Beisein der Zuschauer, die tiefen Erdlöcher wieder zu füllen.

Zum Hintergrund: An der Hildebrandstraße 40 wollte der Projektentwickler ursprünglich schicke Wohnungen errichten.

Auf dem Grundstück an der Hildebrandstraße leben Zauneidechsen - diese gelten als geschützte Art.
Auf dem Grundstück an der Hildebrandstraße leben Zauneidechsen - diese gelten als geschützte Art.  © Anke Brod

Im Video: Bagger setzt Arbeit trotz fehlender Baugenehmigung fort

Statement des NABU: "Schaden ist schon angerichtet!"

Baugenehmigung an Hildebrandstraße wohl seit 2018 ausgelaufen

Die Polizei sicherte das Gelände - vorerst herrscht hier nun Baustopp.
Die Polizei sicherte das Gelände - vorerst herrscht hier nun Baustopp.  © news 5

Anwohner schilderten, dass das Eckgrundstück, einst wohl gar mit großen Bäumen bewachsen, vor fünf Jahren plötzlich aus heiterem Himmel gerodet wurde.

Auch die Garagen habe man abgerissen. Ein älterer Herr habe auf der Fläche zur Freude der Anwohner auch "Urban Gardening" betrieben. Und kürzlich, auf alle Fälle nach dem 28. Februar dieses Jahr - zur Brut- und Setzzeit verboten - sei an der Hildebrandstraße 40 auf einmal alles weitere Gehölz entfernt worden.

Ein entsprechender Bürgerhinweis an das Umweltamt erfolgte demnach Anfang Mai mit dem Hinweis auf dort lebende, geschützte Zauneidechsen. Die Anfrage blieb wohl bis heute unbeantwortet.

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Während der ersten Baggerbesetzung hatte der Aktivist mit dem städtischen Bauordnungsamt telefoniert und den anwesenden Journalisten verkündet, dass die Baugenehmigung für das gebeutelte Grundstück an der Hildebrandstraße bereits seit 2018 ausgelaufen sei. Die versammelten Augenzeugen beobachteten, dass der Bagger im Beisein der Polizei tatsächlich stillgelegt wurde - eben bis später zum Erstaunen aller doch plötzlich offenbar widerrechtlich gebaggert wurde.

Eine Anfrage von TAG24 an das städtische Bauordnungsamt steht zur Stunde noch zur Beantwortung aus.

UPDATE, 15.13 Uhr: Stadtverwaltung bestätigt Baugenehmigung

Das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt Leipzig hat sich mittlerweile zum Vorfall auf an der Hildebrandstraße geäußert. Demnach soll bereits 2018 eine Baugenehmigung für das Grundstück bestanden haben. 2019 wurde diese nach einer Änderung des Antrags noch einmal beschieden.

Weil offenbar noch geklärt werden muss, ob die Baumfällarbeiten ebenfalls genehmigt waren, wurde vorübergehend ein mündlicher Baustopp erlassen.

Titelfoto: Anke Brod

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