Prozess um Angriff auf Studentin: Warum wurde der Gewalttäter nicht früher gestoppt?

Leipzig - Weil er laut Anklage Transgender hasst, hat ein Mann in Leipzig einer transsexuellen Studentin vor der Uni-Mensa die Nase gebrochen. Der Fall sorgte in der Politik für Entsetzen. Der Prozess, der am Montag am Landgericht begann, offenbart aber auch Behördenversagen.

Versteckte sich zum Prozessauftakt hinter einer Verfahrensakte: Marcus S. (40). Seine Opfer beschrieben der Polizei einen "stechenden Blick".
Versteckte sich zum Prozessauftakt hinter einer Verfahrensakte: Marcus S. (40). Seine Opfer beschrieben der Polizei einen "stechenden Blick".  © Ralf Seegers

Clara (24) saß am Abend des 25. Juni 2018 mit einer Freundin auf der Mauer der Moritzbastei, als sich Marcus S. (40) plötzlich vor den Studentinnen aufbaute. 

Provozierend fragte er zunächst nach dem Geschlecht der Transgender-Frau und verlangte dann, dass sie sich entblößen solle. Als Clara dies ablehnte, schlug der grobschlächtige Kerl zu (TAG24 berichtete). 

Laut Anklage zertrümmerte seine Faust die Nase der Studentin. Sachsens damalige Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) sprach seinerzeit von einer "abscheulichen Tat“.

Besonders dreist: Marcus S. verfolgte das Opfer noch bis zur Notaufnahme der Uniklinik und grinste die Verletzte dort höhnisch an. Beim Weggehen schoss die begleitende Freundin ein Foto des Täters und übermittelte es sofort der Polizei.

Es verging jedoch noch ein halbes Jahr, ehe die bis dato erfolglosen Ermittler das Foto veröffentlichten. In dieser Zeit misshandelte der Maler eine weitere Frau.

Schlimmer noch: Als S. sich kurz darauf selber stellte, muss den Behörden klar gewesen sein, dass sie es hier mit einem gefährlichen Psycho-Täter zu tun hatten, der deshalb schon mehrfach vor Gericht stand. Dennoch wurde Marcus S. wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Folge: Elf weitere Opfer - die der notorische Gewalttäter laut Anklage bis zu seiner endgültigen Festnahme im Oktober 2019 auf offener Straße oder in Straßenbahnen misshandelte.

Weil der Dauerschläger laut Gutachten unter einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie leiden soll, findet der Prozess ohne Öffentlichkeit statt.

Titelfoto: Ralf Seegers

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