Nach Lehrgangs-Eklat: Polizei plant neue Hunde-Ausbildung, doch keinen Gewaltverzicht!

Leipzig - Nach den verstörenden Gewalt-Bildern eines Diensthundeführer-Lehrgangs der Polizei in Leipzig hat das Innenministerium angekündigt, dass in Sachsen das Diensthundewesen neu ausgerichtet und die Belange des Tierschutzes besser berücksichtigt werden sollen. Auf Gewalt gegen Hunde will die Landespolizei aber auch weiterhin nicht verzichten.

Schockierende Szenen: Bei einem Diensthundeführer-Lehrgang der Polizei in Leipzig schlugen zwei Beamtinnen brutal auf einen Malinois ein.
Schockierende Szenen: Bei einem Diensthundeführer-Lehrgang der Polizei in Leipzig schlugen zwei Beamtinnen brutal auf einen Malinois ein.  © Screenshot

Bereits im November, mithin zwei Monate nach Bekanntwerden der Misshandlung eines Diensthundes auf einem Lehrgang der Leipziger Polizei, habe Sachsens Innenministerium eine Bund-Länder-Umfrage zum Diensthundewesen initiiert, teilte Sprecherin Silvaine Reiche (46) auf Anfrage mit.

Hintergrund sei, dass der Freistaat sein Diensthundewesen neu ausrichten und dazu Erfahrungen aus anderen Bundesländern auswerten wolle: "Wichtig ist uns, dass bei der Ausbildung zukünftig die Belange des Tierschutzes noch stärker in den Fokus gesetzt werden."

Ganz auf die Gewaltanwendung will die Landespolizei aber auch künftig nicht verzichten.

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Schutzhunde würden als "Hilfsmittel der körperlichen Gewalt" in gewalttätigen oder lebensbedrohlichen Auseinandersetzungen verwendet, teilt ein Behördensprecher auf Anfrage mit. "Damit geht einher, dass eine Ausbildung ohne den erlernten Umgang mit Aggressionen nicht zielführend ist."

Soll heißen: Im Training sollen Schutzhunde auch weiterhin mit so genannten Softsticks geschlagen werden, um ihr Aggressionsverhalten zu fördern.

Wird es ein politisches Nachspiel geben?

Es geht auch ohne Gewalt, sagt die Leipziger Hundetrainerin Claudia Lutz (46).
Es geht auch ohne Gewalt, sagt die Leipziger Hundetrainerin Claudia Lutz (46).  © privat

Bei der Leipziger Hundetrainerin Claudia Lutz (46) stößt das auf Unverständnis. "Es gibt definitiv andere Methoden, um Hunden beizubringen, auch in Aggressionssituationen nur auf Signal von einer Zielperson abzulassen."

So sei bekannt, dass etwa bei der Hunde-Ausbildung der Bundeswehr Strafen und Zwang durch positive Konditionierung ersetzt wurden.

Ein politisches Nachspiel könnte es zudem noch geben. Denn ein solches Verhalten von Beamten sei nicht akzeptabel, teilte die tierschutzpolitische Sprecherin der Linken, Susanne Schaper (42), mit.

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Sie wolle sich mit einer Kleinen Anfrage an die Staatsregierung für die Klärung des Sachverhaltes einsetzen (TAG24 berichtete).

Titelfoto: Screenshot

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