"Pfui, Herr Wöller": Leipzigs OB Burkhard Jung schießt gegen Innenminister

Leipzig - Die Debatte um die Leipziger "Querdenker"-Demo vom 7. November spaltet weiterhin Politik und Gesellschaft. Besonders heikel: Wer ist denn nun tatsächlich verantwortlich für die eskalierte Situation? Deshalb gerieten nun Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (62, SPD) und Innenminister Roland Wöller (50, CDU) aneinander.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (50, CDU).
Sachsens Innenminister Roland Wöller (50, CDU).  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Für die "Querdenker"-Kundgebung waren eigentlich nur 16.000 Demonstranten zugelassen, doch tatsächlich tauchten am 7. November auf dem Augustusplatz über 20.000 Menschen auf. Andere Schätzungen sprachen sogar von 45.000.

Da sich kaum jemand der Protestierenden an die Hygienevorschriften wie Sicherheitsabstand und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hielt, wurde die Versammlung von der Stadt Leipzig in den Nachmittagsstunden aufgelöst.

Danach marschierten die "Querdenker"-Anhänger über den Stadtring, die Polizei verfiel in eine passive Rolle und ließ den illegalen Demo-Zug laufen.

Im Anschluss dieser außer Kontrolle geratenen Demonstration wird nun ein Verantwortlicher gesucht. Hat etwa die Polizei falsch gehandelt? Hätte das Oberverwaltungsgericht Bautzen anders entscheiden müssen? Oder trägt doch die Stadt Leipzig die Schuld? Man ist sich unsicher.

Sachsens Innenminister Wöller, der die Einsatzkräfte der Polizei nach wie vor in Schutz nimmt, sieht zumindest eine Teilschuld eindeutig bei der Messestadt als Versammlungsbehörde: "Die Versammlung hätte gar nicht beginnen dürfen. Die Stadt Leipzig hat zu spät gehandelt", ist Wöller sich sicher.

Leipzigs OB Jung, der sich schon vor dem 7. November kritisch gegenüber der "Querdenker"-Demo geäußert hatte (TAG24 berichtete), will diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen.

Burkhard Jung schießt gegen Roland Wöller

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (62, SPD).
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (62, SPD).  © Wolfgang Kumm/dpa

"Pfui, Herr Wöller", empört sich der SPD-Politiker auf seiner Facebook-Seite über dessen Statement. 

Er findet klare Worte für den Innenminister: "Das sagen Sie, nachdem Sie live im Lagezentrum zugeschaut haben, wie Hooligans, Nazis u.a. Polizeikräfte überrennen und über den Ring in Leipzig ungehindert marschieren ..."

Wöller hatte nach einer Sondersitzung des Landtags am Donnerstag außerdem verlauten lassen, die eskalierende Lage in Leipzig bereits am Samstagmittag erkannt zu haben.

Bereits bei der Sondersitzung war es unter den anwesenden Politikern zu Schuldzuweisungen gekommen, ein Verantwortlicher scheint also noch immer nicht festgestellt worden zu sein (TAG24 berichtete).

Eins steht fest: In dieser Debatte ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es bleibt spannend.

Titelfoto: Bildmontage Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa; Wolfgang Kumm/dpa

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