Sie hatte ihn Schlappschwanz geschimpft: Rentner (75) schlug Gattin (74) Schädel ein

Leipzig - Was bewegt einen gebildeten und kulturvollen Rentner (75), seiner Gattin (74) nach 27 Ehejahren mit einem Fäustel nach dem Leben zu trachten? Diese Frage versucht seit dem gestrigen Mittwoch das Landgericht Leipzig zu klären.

Dieter B. (75) muss sich wegen versuchten Mordes verantworten.
Dieter B. (75) muss sich wegen versuchten Mordes verantworten.  © Ralf Seegers

Es geschah am 25. November morgens vor einer Leipziger Zahnarztpraxis: Mit einem Fäustel in der Hand erwartete dort Dieter B. seine Frau Eveline. 

Als die Dame das Haus betrat, schlug der Maurer mit unvollendetem Philosophiestudium laut Anklage sechsmal wuchtig auf den Kopf der Gattin ein. In Tötungsabsicht, wie es die Staatsanwaltschaft sieht. 

Eveline B. überlebte mit schweren Verletzungen. Ihr Mann muss sich nun wegen versuchten Mordes verantworten.

Fünf der Schläge gab der Angeklagte am Mittwoch zu. "Den Tötungsvorsatz weise ich aber zurück." Auch sei es keine bewusste Tat gewesen, dozierte Dieter B. in einer fast fünfstündigen Erklärung, in der er von Kant über Calmus bis Habermas zahlreiche Philosophen für und über sich sprechen ließ.

Dieter B. beschrieb sich als gebildeten und hochsensiblen Feingeist, der die Ehe mit einem aggressiven, sexuell ausschweifenden und zu Gewalt neigenden Machtmenschen eingegangen sei. Eveline habe immer mehr als einen Mann gebraucht, ihn als Schlappschwanz und Mimose bezeichnet und zuweilen auch zugeschlagen, erzählte er.

Die Anklage sieht jedoch Dieter B. als den zu Aggression neigenden Part der Ehe, der sechs Tage vor dem Mordversuch mit polizeilicher Gewalt aus der gemeinsamen Wohnung entfernt wurde und sich seiner Frau nicht mehr nähern durfte.

Vor dieser Leipziger Zahnarztpraxis schlug der Angeklagte mit einem Fäustel auf seine Ehefrau ein.
Vor dieser Leipziger Zahnarztpraxis schlug der Angeklagte mit einem Fäustel auf seine Ehefrau ein.  © Ralf Seegers

Am 29. Juni ist die Gattin geladen und soll als Zeugin ihre Version der skurrilen Geschichte erzählen.

Titelfoto: Ralf Seegers

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