Neues Leipziger Heizkraftwerk schafft Mega-Power: Anlage geht 2022 ans Netz

Von Anke Brod

Leipzig - Extreme Dürre- und Hitzeperioden, wie sie in den vergangenen Jahren auch in Leipzig auftraten, sind Folgen der Erderwärmung. Hier sind schnellstens globale Nachhaltigkeit, innovative und klimaschützende Schritte gefragt! Genau das wollen die Stadtwerke mit der aktuellen Errichtung ihres neuen Heizkraftwerks (HKW) Leipzig-Süd an der Bornaischen Straße 120 erreichen. Am Mittwoch durften Medienvertreter den Bauarbeitern über die Schulter schauen.

Hier wird eine Wand des neuen Kraftwerkgebäudes errichtet. Bereits Ende 2022 soll der Bau fertiggestellt sein.
Hier wird eine Wand des neuen Kraftwerkgebäudes errichtet. Bereits Ende 2022 soll der Bau fertiggestellt sein.  © Anke Brod

Ab 2022 drosselt Leipzig die Fernwärme-Abnahme für Braunkohle aus Lippendorf. Deshalb wird auf der HKW-Großbaustelle das Zukunftskonzept Fernwärme mittels Gasturbinenanlage und Wärmespeicher mit Hochdruck voran getrieben. Mit einer Investitionsumme von 170 Millionen Euro geht der Powergigant schon 2022 ans Netz!

Für das Fundament des Wärmespeichers gossen die Arbeiter 1700 Kubikmeter Spezialbeton: Schon bald wird der 60 Meter hohe Speicher weithin sichtbar das Kraftwerksareal überragen. Er besitzt ein Fassungsvermögen von 43.000 Kubikmetern Wasser. Wegen des enormen Gewichts wurde das Fundament bombensicher in einem vierzehnstündigen Arbeitseinsatz gefertigt.

In dem Mega-Behältnis verbleibt erzeugte, aber nicht sofort benötigte thermische Energie. Bei Bedarf wird sie später ins Fernwärmenetz eingespeist.

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Dieses Verfahren erhöht die Versorgungssicherheit für alle Leipziger.

Grüner Wasserstoff als Perspektive für neue Anlage

Neben dem eigentlichen Kraftwerksgebäude entsteht bis Ende 2022 ein Wärmespeicher.
Neben dem eigentlichen Kraftwerksgebäude entsteht bis Ende 2022 ein Wärmespeicher.  © Anke Brod

Zudem schießt derzeit das Kraftwerksgebäude in die Höhe. Und daneben sollen Ende 2022 ein Versorgungsgebäude, eine Pumpenhalle sowie der Wärmespeicher stehen.

Das Herzstück der Anlage bilden aber zwei Gasturbinen mit jeweils 62,5 Megawatt elektrischer Leistung. Der Abgasstrom wird hierbei in nachgeschalteten Heißwassererzeugern genutzt - das sind je 81,5 Megawatt für die Wärmeversorgung.

Die Anlage bringt es mit dem gekoppelten Kraft-Wärme-Prozess auf stolze 93 Prozent Brutto-Gesamtwirkungsgrad! Ferner drücken moderne Gasturbinentechnologie und Katalysatoren anfallende Stickoxid- und Kohlenmonoxid-Emissionen weit unter gesetzlich zulässige Werte.

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"Die Anlage besitzt nicht nur schon von Beginn an einen überaus hohen Wirkungsgrad, sondern wird perspektivisch auch mit grünem Wasserstoff, also komplett CO2-neutral, betrieben werden können", hatte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (63, SPD) bei einem früheren Besuch an der Bornaischen Straße 120 betont.

Vom Stand der Bauarbeiten überzeugte sich nun auch Thomas Schmidt, sächsischer Staatsminister für Regionalentwicklung.

"Die Leipziger Stadtwerke treiben den Einstieg in den Ausstieg aus der Braunkohle-Verstromung und -Fernwärmegewinnung in Sachsen wesentlich voran", sagte und betonte: "Das HKW Leipzig- Süd wird ein wichtiger Baustein für die erfolgreiche Gestaltung des Strukturwandels in der Region sein!"

Stadtwerke hoffen auf Unterstützung für Strukturwandel

Stadtwerke-Projektleiter Thomas Brandenburg präsentierte am Mittwoch die Pläne für das neue Heizkraftwerk.
Stadtwerke-Projektleiter Thomas Brandenburg präsentierte am Mittwoch die Pläne für das neue Heizkraftwerk.  © Anke Brod

"Ab Tag eins produziert das Heizkraftwerk aus Erdgas Strom und Fernwärme", freute sich indes Thomas Brandenburg, Stadtwerke-Projektleiter.

Zum Hintergrund: Mit dem Erdgas werden die beiden Turbinen angetrieben. So entsteht im Generator Strom und die hierbei erzeugte Hitze wird ins Fernwärmenetz oder den Speicher eingespeist. Perspektivisch sollen die Kraftwerksturbinen schließlich mit grünem Wasserstoff befeuert werden. Damit wäre die Anlage CO2-neutral.

Geschäftsführer Karsten Rogall sprach seinerseits von einem "Signal", das von der Leipziger HKW-Baustelle ausgehe. Man übernehme aktiv Verantwortung für den Strukturwandel, hob er hervor und erklärte:

"Sämtliche Experten sprechen Wasserstoff in den Sektoren Transport/Logistik, Industrie, Energie und Mobilität hervorragende Qualitäten zu. In der Tat wolle die Leipziger Gruppe mitsamt Verkehrsbetrieben und Stadtwerken zu nachhaltiger Fernwärme und zukunftsfähigen Mobilitätslösungen beitragen.

Laut Rogall brauche es zur Entwicklung der H2-Technologie mit verbraucherfreundlichen Preisen aber politische und finanzielle Unterstützung durch Europäische Union, Bund und Land.

"Wer ehrgeizige Klimaziele setzt, muss auch die Mittel bereitstellen, um sie zu erreichen", forderte der Stadtwerke-Geschäftsführer nachdrücklich.

Titelfoto: Anke Brod

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