Leipziger Epidemiologe: Keinerlei Spielraum für Rückkehr zu Großveranstaltungen

Leipzig/Halle - Der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz rät angesichts steigender Infektionen in der Corona-Pandemie von einer Rückkehr zu Großveranstaltungen ab. 

Der Epidemiologe Markus Scholz forscht an der Universität Leipzig.
Der Epidemiologe Markus Scholz forscht an der Universität Leipzig.  © Stadt Leipzig

"Die zweite Welle zeichnet sich deutlich ab, da wir nun über mehrere Wochen einen Anstieg der aktiven Infektionszahlen feststellen", sagte Scholz der Deutschen Presse-Agentur. "Ich sehe daher aktuell keinerlei Spielraum für weitere Lockerungen – auch und gerade nicht für Großveranstaltungen."

Dabei gebe es mehrere Risiken, die beachtet werden müssten. "Die Menschen gehen umher, holen sich Getränke, gehen auf die Toilette – da finden dann sehr viele Kontakte statt, die bei einer großen Personenanzahl kaum nachzuvollziehen sind", sagte Scholz, der an der Universität Leipzig forscht. 

Auch die Hygienekonzepte, die etwa festgelegte Wege oder eine Maskenpflicht vorsähen, ließen sich bei großen Menschenansammlungen kaum durchsetzen.

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hält eine Rückkehr dagegen grundsätzlich für möglich - etwa mit umfangreichen Testungen im Vorfeld.

Wichtig sei es, die Zahl der Neuinfektionen in einer Region im Blick zu behalten. "Davon sollte dann abhängig sein, wie viele Menschen eine Veranstaltung besuchen können und auch wie lange. Ich würde daher für ein flexibles Modell plädieren, das sich an das Infektionsgeschehen in einer Region anpasst", sagte der Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Wissenschaftler der Uniklinik Halle wollen am morgigen Samstag mit einem Konzert-Experiment (TAG24 berichtete) in Leipzig näher bestimmen, unter welchen Rahmenbedingungen Großveranstaltungen etwa in geschlossenen Räumen trotz der Corona-Pandemie möglich sein könnten. 

Bis zu 4000 Probanden sollen dazu an einem Pop-Konzert von Tim Bendzko teilnehmen. Sie und die Helfer müssen vor Studienbeginn einen Corona-Test durchführen und ein negatives Ergebnis mitbringen.

Titelfoto: Stadt Leipzig

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