Leipziger "Fahrradgate": Unterschlagungs-Verdacht jetzt auch gegen Polizeiführer

Leipzig - Seit nunmehr 22 Monaten ermitteln Staatsanwälte gegen sächsische Polizisten, die illegal mit geklauten Fahrrädern gehandelt haben sollen. Doch noch immer gibt es keine Anklagen. Die Zahl der Beschuldigten steigt indes weiter an. Auch gegen Polizeiführer wird nunmehr wegen des Verdachts der veruntreuenden Unterschlagung ermittelt.

Polizisten stehen vor sichergestellten Fahrrädern. In Leipzig wird das Verschwinden von 361 solcher Drahtesel geprüft.
Polizisten stehen vor sichergestellten Fahrrädern. In Leipzig wird das Verschwinden von 361 solcher Drahtesel geprüft.  © Tino Plunert

Die Ermittlungen in Zahlen: Seit Bekanntwerden des Korruptionsskandals bei der Leipziger "Zentrale Bearbeitung Fahrradkriminalität" (ZentraB) sind nach Auskunft der Generalstaatsanwaltschaft bislang Ermittlungsverfahren gegen 167 Personen eingeleitet worden - darunter 108 Polizeibeamte, 58 Angehörige und Freunde von Polizisten, zwei Justizangestellte und ein CDU-Bürgermeister, der früher mal Polizist war.

Eingestellt wurden davon bislang 37 Verfahren (darunter gegen 22 Polizeibeamte), weil sich gegen diese Personen laut Generalstaatsanwaltschaft "kein hinreichender Tatverdacht" ergab.

Interessant: Aus dem sogenannten "Vorgesetzten-Verfahren", in dem gegen neun Polizeiführer wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt wurde, sind zwei Verfahren inzwischen abgetrennt und dem "Hauptverfahren", das sich gegen die mutmaßlichen Organisatoren des illegalen Fahrradhandels richtet, zugeordnet worden.

Disziplinarverfahren gegen 79 Polizisten

Dr. Nicole Geisler von der Generalstaatsanwaltschaft informierte über 167 eingeleitete Strafverfahren zum "Fahrradgate".
Dr. Nicole Geisler von der Generalstaatsanwaltschaft informierte über 167 eingeleitete Strafverfahren zum "Fahrradgate".  © Eric Münch

In diesem Verfahrenskomplex gegen nunmehr fünf Verdächtige wird unter anderem wegen des Verdachts des Betruges, der veruntreuenden Unterschlagung und der Vorteilsnahme ermittelt.

Um welche Polizeiführer es sich dabei handelt, wollte die Behörde nicht verraten.

Wie die Generalstaatsanwaltschaft auf Anfrage erklärte, wird aktuell die Weitergabe von 361 Fahrrädern untersucht.

Laut Landespolizei wurden bislang gegen 79 Polizisten Disziplinarverfahren eingeleitet.

Titelfoto: Tino Plunert

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