Leipziger Impfzentrum hat Arbeit aufgenommen: So läuft eine Impfung ab!

Leipzig - Monatelang wurde auf die Öffnung der Impfzentren in ganz Sachsen hingearbeitet, seit Montag hat auch die Einrichtung an der Neuen Messe in Leipzig geöffnet. Wie die Impfungen ablaufen und wer zuerst dran kommt, erfuhr TAG24 bei einem Pressetermin vor Ort.

Teamwork: Zur Organisation und Durchführung der Impfungen sind viele Helfer notwendig.
Teamwork: Zur Organisation und Durchführung der Impfungen sind viele Helfer notwendig.  © News5/Grube

Wenn man den Anblick der Leipziger Messe noch von verschiedenen Ausstellungen oder Konzerten in Erinnerung hat, dann erscheint die neue Nutzung der Halle 5 schon etwas ungewohnt: Ähnlich wie an einem Flughafen sind dort mehrere Kabinen und Stellwände zu einer Art Durchgang aneinander gereiht.

Dort sollen in den nächsten Monaten große Teile der Leipziger Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft werden.

Ein sportliches Vorhaben, welches schon am Montag begonnen hat. "Wenn hier alles komplett aufgebaut ist, sollen 40 Personen pro Stunde geimpft werden, bei einer Öffnungszeit des Zentrums von circa 8 bis 18 Uhr", verspricht Olaf Hagenauer vom DRK Kreisverband Leipzig. Parallel dazu laufen auch noch die Impfungen, die aktuell bereits von den mobilen Impfteams in Leipzig vor allem in Alters- und Pflegeheimen durchgeführt werden - hier liegt die Zahl nach DRK-Informationen bei rund 500 geimpften Personen pro Tag.

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Diese Mammutaufgabe kann nur gestemmt werden, weil hier Hand in Hand gearbeitet wird: So wird das Deutsche Rote Kreuz in Leipzig unter anderem vom THW, der Bundeswehr, den Maltesern, Johannitern, einigen Mitarbeitern der Messe Leipzig und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen unterstützt.

"In einer ähnlichen Konstellation haben wir vor Jahren auch schon das Hochwasser in Sachsen und die Flüchtlingskrise unter Kontrolle bekommen", erinnert sich Hagenauer.

Stich in den Oberarm: Impfung dauert nur wenige Sekunden

Schlange stehen vor dem Check-In: Jeder der Leipziger hier hat im Vornherein einen Termin vereinbart.
Schlange stehen vor dem Check-In: Jeder der Leipziger hier hat im Vornherein einen Termin vereinbart.  © News5/Grube

Jeden Tag wird der Impfstoff bereits nach seiner Kühlung angetaut in die Messe geliefert.

Wenn dann um 8 Uhr der Check-In für die Impflinge geöffnet wird, wird nach einem strengen System gearbeitet, damit es nicht zu "Menschenstaus" kommen kann. In einem Wartebereich wird bereits ein erster kleiner Aufklärungsfilm gezeigt. Dann gehen die Impflinge einzeln in die Kabinen, die jeweils mit einem Arzt oder einer Krankenschwester versehen sind.

Nach einem Vorgespräch über das Vorgehen werden die Allergien und Vorerkrankungen des Patienten abgefragt und sollte dann alles in Ordnung sein, wird der begehrte Stich in den Oberarm gesetzt.

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Momentan wird noch ausschließlich mit dem Impfstoff des Biotechnologieunternehmens BIONTECH verfahren, bald soll der des US-Unternehmens Moderna auch gespritzt werden - was das ganze Prozedere dann natürlich noch einmal beschleunigt.

"Im Grund unterscheidet sich die Corona-Impfung nicht von einer normalen Grippeimpfung. Nach der Impfung setzt sich der Patient nochmal in einen separaten Raum und kann sich ausruhen, bis er bereit ist zu gehen", erklärt Doktor Sylvia Krug von der Kassenärztlichen Vereinigung. Krug ist eigentlich HNO-Ärztin in Dresden, hat sich aber für die Arbeit im Impfzentrum bereit erklärt.

"Es ist eine wichtige Aufgabe. Die Resonanz unter den Kollegen dahingehend ist auch sehr groß, viele stellen ihre Dienste zur Verfügung", freut sich die Ärztin.

Die Impfung erfolgt ähnlich einer Grippe-Impfung durch einen Stich in den Oberarm.
Die Impfung erfolgt ähnlich einer Grippe-Impfung durch einen Stich in den Oberarm.  © News5/Grube
Ein Labyrinth aus Stellwänden: So sieht das Impfzentrum in der Messe aus.
Ein Labyrinth aus Stellwänden: So sieht das Impfzentrum in der Messe aus.  © News5/Grube
In jeder Kabine wartet medizinisches Personal auf die Impflinge.
In jeder Kabine wartet medizinisches Personal auf die Impflinge.  © News5/Grube

Zweiter Termin der Corona-Impfung ist nicht zu vernachlässigen

Ein "Pieks" und das war es: 40 Personen können in einer Stunde in der Neuen Messe geimpft werden.
Ein "Pieks" und das war es: 40 Personen können in einer Stunde in der Neuen Messe geimpft werden.  © News5/Grube

Beim Check-out bekommt der Impfling dann seinen Eintrag in den Impfpass und den Termin für die zweite Impfung.

Diese findet rund 21 Tage nach dem ersten Termin statt. "Ohne die zweite Impfung ist der Vorgang nicht komplett und man kann sich weiterhin infizieren", warnt Doktor Sylvia Krug.

Und auch nach der zweiten Impfung ist weiterhin Vorsicht geboten. "Ich würde trotzdem im Supermarkt beispielsweise eine Maske tragen, denn man könnte den Virus übertragen, ohne selbst infiziert zu sein", so die Ärztin.

In den ersten Wochen wird nun zunächst weiter nur an Personengruppen der höchsten Priorität geimpft. Dazu gehören Ärzte, medizinisches Personal, Notärzte, Menschen über 80 Jahren oder auch die Feuerwehr und Angehörige von Pflege- oder Krankenhauspersonal. Über das Corona-Impfportal Sachsen konnten sich die Impflinge anmelden und einen Termin vereinbaren. Die Slots waren schnell vergriffen.

Und auch ein weiteres Manko besteht. Ein älterer Herr, der seine Frau zur Impfung begleitet, schimpft über die langen Wege zum Zentrum selbst. "Man kann nicht vor der Halle parken, muss lange laufen, mit Krücken ist das eine Last und wir müssen ja bald nochmal herkommen", so das Ehepaar. Auch von der Haltestelle an der Neuen Messe ist es etwas umständlich, den Eingang zur Halle zu finden.

Aber auch das soll laut dem Roten Kreuz schnell angepasst werden, sodass einer reibungslosen Impfung nichts mehr im Wege steht. Dass in den Hallen der Neuen Messe in Leipzig gerade wichtige Arbeit getan wird, ist allen klar.

"Das muss sein, es muss doch weitergehen", sagt eine weitere, frisch geimpfte Rentnerin auf dem Nachhauseweg.

Titelfoto: Bildmontage: News5/Grube

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