Leipziger Tierheim wie leergefegt: Kaum noch vermittelbare Hunde und Katzen

Von Anke Brod

Leipzig - Das Jahr 2021 ist taufrisch, Silvester verlief pandemiebedingt verhaltener als sonst. Im Vorfeld war in Leipzig ein Verkaufsverbot für Pyrotechnik erlassen worden. Schallgedämpfter ging es vielerorts dennoch nicht zu, dies dank illegal beschaffter Knallkörper. TAG24 sammelte in der Nachschau Eindrücke.

Das Silvester-Nachspiel: Trotz der Corona-Einschränkungen waren die Leipziger Straßen am 1. Januar mit Böller-Resten bedeckt.
Das Silvester-Nachspiel: Trotz der Corona-Einschränkungen waren die Leipziger Straßen am 1. Januar mit Böller-Resten bedeckt.  © Anke Brod

"Also wenn ich mir jetzt schon die Böller anhöre... es wird zwar weniger, dafür lauter. Es waren sicher alle bei den Polen einkaufen!", lautete etwa der Eindruck von Susanne Vent (35) aus Gohlis-Mitte. Sie hat zwei Stubentiger namens Lilly und Paul, beide sind zweieinhalb Jahre jung.

Die Tierfreundin schilderte gegenüber TAG24: "Meine Katzen waren den ganzen Abend panisch in der Wohnung hin und her gerannt!"

Bei Gewittern - ein Vergleich, den Böllerfans gern mal in Diskussionen einwerfen würden - geschehe das nicht.

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In anderen Stadtteilen sorgten sich Tierhalter ebenfalls um ihre Lieblinge. Eine Dame aus Lützschena vermeldete am Abend über Facebook plötzlich erschrocken eine wahre "Detonation" draußen. "Meine kleine Hündin stand Kopf", schrieb sie gestresst. Es tue ihr weh, sie so leiden zu sehen.

Und Anne B. (55) aus Stötteritz hatte wegen voreiliger Knallerei in der Nachbarschaft Probleme, ihren Freigängerkater Jack weit vor 24 Uhr überhaupt noch ins sichere Haus zu locken. "Der war absolut panisch und wäre mir beinahe stiften gegangen", schilderte sie.

Tierfreunde wünschten sich vergeblich Böllerverbot

Der Leipziger Tierheimchef Michael Sperlich (55) hat momentan nur wenige Tiere zu betreuen.
Der Leipziger Tierheimchef Michael Sperlich (55) hat momentan nur wenige Tiere zu betreuen.  © Ralf Seegers

Freunde von Vierbeinern und Vögeln plädieren schon länger für ein Böllerverbot.

So wirbt der Naturschutzbund Leipzig (NABU) mit seiner Wildvogelhilfe jährlich mit Plakaten in Parks und an Gewässern für Rücksicht in tierischen Refugien (TAG24 berichtete).

Der Leipziger Beirat für Tierschutz hatte noch im Herbst 2020 einen entsprechenden Antrag in die Ratsversammlung eingebracht. Ein Verbot von Individualfeuerwerk für Leipzig wurde jedoch abgelehnt.

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Über Social Media wurden weitere Stimmen laut: "Warum gab es im Gegensatz zu anderen Städten aber auch 'zu Corona' kein komplettes Böllerverbot für Leipzig?"

Das Ordnungsamt erläuterte auf TAG24-Anfrage: "Der Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 13. Dezember und der Erlass des Sächsischen Staatsministeriums des Innern vom 18. Dezember ermächtigten zum Errichten von Feuerwerks-Verbotszonen auf zu definierenden publikumsträchtigen Plätzen und ausdrücklich nicht von flächendeckenden Verboten." Deshalb habe sich die Stadt Leipzig bewusst gegen ein allgemeines Feuerwerksverbot entschieden, so die Erklärung.

Man sei ferner der Auffassung, dass nur kontrollierbare Regelungen getroffen werden könnten. Das sei bei einem allgemeinen Feuerwerksverbot, auch für Privatgrundstücke, nicht gegeben. Die Stadt könne des weiteren die Verwendung illegaler Pyrotechnik nicht beeinflussen, das Sprengstoffrecht obliege dem Bund.

Die Katzen und Hunde im Tierheim Leipzig verkrafteten Silvester gut.
Die Katzen und Hunde im Tierheim Leipzig verkrafteten Silvester gut.  © Thomas Türpe

Silvester war "stiller": Polenböller drangen durch

Polizeisprecher Olaf Hoppe ergänzte: "Die Landespolizei führte und führt Kontrollen durch. Wenn dabei illegale Pyrotechnik festgestellt wird, wird sie entsprechend tätig. In der Silvesternacht, die auch vom einem geringeren Einsatzgeschehen vergleichend zum Vorjahr geprägt war, waren Polizeikräfte an verschiedenen Orten im Stadtgebiet präsent. Der Schwerpunkt lag aber auf den durch Notrufe ausgelösten Einsätzen."

Er gab zu bedenken, dass diesmal "vor dem Hintergrund, dass Silvester 'stiller' ablief, nicht zugelassene Pyrotechnik möglicherweise deutlich hörbarer war."

Glücklicherweise verbuchte das städtische Tierheim zum Jahreswechsel kein Mehr an ausgebüxten Hunden oder Katzen. Die Einrichtung sei gerade auch wie leergefegt, so berichtete Tierheimchef Michael Sperlich (55). Seit Sommer 2020 hätten sich viele Menschen im Home Office Haustiere zugelegt. Aktuell verzeichnet er gerade mal noch fünf vermittelbare Katzen und auch wenige Hunde!

Titelfoto: Thomas Türpe

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