Leipzigs OB Jung über Querdenker: "Keinerlei Verständnis für Massendemonstration"

Leipzig - Einen Tag vor der großen "Querdenken"-Demo in Leipzig hat sich auch das Oberhaupt der Messestadt, Burkhard Jung (62, SPD), zu der Veranstaltung geäußert. Dabei machte er in klaren Worten deutlich: Kritik kann man in Zeiten von Corona doch bitte anders äußern.

Leipziger Überbürgermeister Burkhard Jung bei einer Pressekonferenz im August. (Archivbild)
Leipziger Überbürgermeister Burkhard Jung bei einer Pressekonferenz im August. (Archivbild)  © Wolfgang Kumm/dpa

So deutliche Worte hat man von Jung schon lang nicht mehr gehört! 

"Ganz unmissverständlich: ich habe keinerlei Verständnis für die Massendemonstration morgen. Es ist in dieser Situation unverantwortlich, frech, unsolidarisch und hoch riskant", äußerte sich Leipzigs Oberbürgermeister am Freitag zu der für morgen angekündigten "Querdenken"-Demo in der Messestadt, zu der etwa 20.000 Menschen erwartet werden (TAG24 berichtete).

"Wer die Schwächsten und die Gefährdung seiner Mitmenschen und seiner selbst im Blick hat, kann meiner Meinung nach nicht verantworten, mit Tausenden zusammenzukommen", so Jung. "Seine Meinung kann man auch anders äußern; und selbst wenn sie mir nicht passt, werde ich alles dafür tun, dass diese Meinung frei gesagt werden kann."

In Zeiten einer "gefährlichen Pandemie" solle man dies jedoch "bitte nicht auf einer Massendemonstration" tun.

Burkhard Jung droht mit Auflösung, wenn Auflagen nicht eingehalten werden

Bei einer Querdenker-Demo in Dresden soll es am vergangenen Wochenende zu zahlreichen Verstößen gegen die Maskenpflicht gekommen sein.
Bei einer Querdenker-Demo in Dresden soll es am vergangenen Wochenende zu zahlreichen Verstößen gegen die Maskenpflicht gekommen sein.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Jung gab jedoch auch zu bedenken, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert habe. "Die Gerichte setzen sie auf eine Ebene mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit."

Die Demonstration könne deswegen nicht vonseiten der Stadt untersagt werden. 

Die Verwaltung werde jedoch auf einer stationären Kundgebung und die Einhaltung der Maskenpflicht bestehen. "Ansonsten werden wir die Demonstration auflösen", erklärte Jung.

Die "Querdenken"-Demo war bereits im Vorfeld unter heftige Kritik geraten. Unter anderem, weil sie auf Werbeflyern als "zweite friedliche Revolution" bezeichnet wurde. Gleichzeitig war es in sozialen Medien und Kurznachrichtendiensten wie Telegram zunehmend zu Gewaltaufrufen gekommen.

Die Kundgebung sollte ursprünglich auf dem Augustusplatz stattfinden. Weil dort mit 20.000 Menschen jedoch der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, entschieden sich die Behörden für eine Verschiebung auf das Messegelände. Darüber hinaus wurde die Teilnehmerzahl auf 16.000 beschränkt.

Titelfoto: Montage: Wolfgang Kumm/dpa + Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

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