Was 'ne Sauerei! Anwohner jagen liebestollem Schweine-Pärchen hinterher 

Von Anke Brod

Leipzig - "Wie gewonnen, so zerronnen" für die einen. "Schwein gehabt" aber auf alle Fälle für beide! Im Leipziger Ortsteil Holzhausen bliesen Anwohner längs der Straße "Durch die Felder" am Donnerstagabend zur Jagd auf zwei nachts zuvor im Ort ausgebüxte "Glücksschweine". 

Anwohner versuchten, die Schweinchen einzufangen - vergebens. 
Anwohner versuchten, die Schweinchen einzufangen - vergebens.  © Anke Brod

Diese waren vor lauter Frühlingsgefühlen so beseelt, dass sie ihren Häschern immer wieder lustig quietschend und wonnig davon sprangen.

Sogar die Polizei ward gerufen. Doch auch die flugs zum Tatort herbeigeeilten Beamten konnten den geforderten Corona-Mindestabstand zwischen den rosafarbenen Vierbeinern nicht herstellen. Alsbald zogen sie unverrichteter Dinge wieder von dannen. 

Eine an der Hatz beteilige Dame berichtete später auf jenem Feld hinter dem Doppeladler, dass inzwischen auch das Veterinäramt eingeschaltet sei. 

"Die Besitzer der Schweine wohnen in der August-Bebel-Siedlung", wusste ihrerseits eine Hundebesitzerin zu berichten.

Derweil ging die wohlwollende Treibjagd der Menschen auf die beiden paarungswilligen Tierlein weiter, in ihrem Falle selbstredend unter Wahrung des vorgeschriebenen Mindestabstandes.

Mit Hundeleine, Kartoffeln als Lockmittel sowie einem geöffneten Sack versuchte man indes der delikaten Angelegenheit Herr zu werden. Sorge bereitete den Versammelten die angrenzende Landstraße nach Seifertshain. Doch da waren die beiden schließlich ja hergekommen. 

"Sie sind gerade beim Doppeladler. Es wäre schön, wenn sich der Besitzer schnell findet. Wir versuchen sie auf dem Feld zu halten. Es ist kalt!" Diese Botschaft verbreiteten die besorgten Finder schließlich nach eineinhalb Stunden des vergeblichen Lockens, Bittens und Bettelns an das schweinische Doppelpack verzweifelt über Facebook. 

"Der Besitzer wurde ausfindig gemacht", lautete wenig später die erleichternde Nachricht.

Schweinepärchen wieder in guten Händen

"Geronimo!" Die Schweine folgten dem Ruf der Freiheit. 
"Geronimo!" Die Schweine folgten dem Ruf der Freiheit.  © Anke Brod

Tatsächlich fuhr bei Einbruch der Dämmerung ein junges Menschenpärchen in einem nostalgischen roten VW-Bulli vor, um der werten Anwohnerschaft dann doch etwas ratlos-fröhlich zuzurufen: "Wir haben die Schweinchen ja auch erst gestern geschenkt bekommen!" 

Sodann folgten sie dem possierlichen Grunzepärchen auf dem Feld parallel im Auto, selber dann auf der Straße "Durch die Felder" in Richtung Kleinpösna.

Die besorgten Anwohner atmeten auf, so waren sie endlich von ihrem aufreibenden Schweine-Sitting auf dem Acker erlöst!

Befreit strömten sie alle in ihre Häuser zurück. 

Die Überlieferung besagt, dass man die Schweinebesitzer später noch gemeinsam mit ihren neuen Haustieren auf dem Feld herumtollen sah. Dann brach die Spur in die Dunkelheit jäh ab.

Später allerdings, so munkelt man im Ort, fanden sich beide Pärchen dann aber doch wieder am heimischen Herd ein. Ihr Kinderlein kommet... 

Titelfoto: Anke Brod

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