Bauschutt, empörte Bürger und falsche Fährten: Ist das Kunst, oder kann das weg?

Von Anke Brod

Leipzig - Ein neues Bad, das stylische Wohnzimmer oder endlich mal die ollen Fenster aus Omas Gartenlaube gerissen. Das alles ist schick, macht aber Müll, viel Müll! Der wird nicht selten illegal abgekippt. Bisher blieben derartige Umweltdelikte mangels Personal in Leipzig eher ungestraft. Eine kleine Verbesserung ist nun aber in Sicht.

In Kleinpösna findet man ihn schon am Straßenrand: Illegal deponierter Müll. Gegen derartige Delikte will nun auch Leipzigs Stadtrat vorgehen.
In Kleinpösna findet man ihn schon am Straßenrand: Illegal deponierter Müll. Gegen derartige Delikte will nun auch Leipzigs Stadtrat vorgehen.  © Anke Brod

Vorigen Sonntag bemerkten Spaziergänger im Leipziger Stadtteil Holzhausen vor einer Baumgruppe am Breiteweg einen riesigen Bauschutthaufen. Aus dem Unrat ragte auch Glasbruch hervor - gefährlich für die ansässigen Rehe! In dieser Kurve am Feldrand landeten in der Vergangenheit auch schon Schlachtabfälle, Autoreifen oder Hausmüll. Die Gegend verkomme zur Schutthalde, monieren Gassigeher.

Pikant: Auf einem Karton prangte sogar eine Adresse

Doch der Hinweis des Finders an das Stadtordnungsamt ergab: Verursacher illegalen Mülls würden oft irgendeine Adresse neben dem Abfall deponieren, um von ihrer eigenen Identität abzulenken. Fehlanzeige hier also für Nachforschungen! Das Amt wolle sich jedenfalls um die Entsorgung kümmern, so die weitere Auskunft.

Bei einer Radtour stieß TAG24 am Sonntag ganz in der Nähe selbst auf noch mehr Müll. Hinter Kleinpösna lagen am Sträßchen "Durch die Felder" prallgefüllte blaue Säcke. Beim Näherkommen hoppelte ein Feldhase weg.

Zufall oder nicht: Aus einem Sack ragte ein scharfes Stück Riffelglas wie von einer Zimmertüre hervor - und wie zuvor am Breiteweg gefunden.

Wann ermitteln in Leipzig endlich Müll-Detektive?

Müll-Detektive sollen dafür sorgen, dass Untaten wie diese hier am Breiteweg in Holzhausen verfolgt und geahndet werden.
Müll-Detektive sollen dafür sorgen, dass Untaten wie diese hier am Breiteweg in Holzhausen verfolgt und geahndet werden.  © Anke Brod

"Müllsauerei am Hohen Graben", verkündete in einem dritten Fall die Baalsdorferin und Leipziger CDU-Stadträtin Siegrun Seidel (62) via Facebook. "Netterweise befanden sich Papiere darunter, mit Namen und Adresse", schrieb sie.

Spätere Recherchen enttäuschten: Die Dokumente waren dem Inhaber ein halbes Jahr zuvor abhanden gekommen. Vermutlich wollten die skrupellosen Umweltbanausen hier tatsächlich von ihrem Frevel ablenken.

Gegenüber TAG24 machte sich Siegrun Seidel empört Luft: "Dass es überhaupt Menschen gibt, die gewissenlos ihren Unrat irgendwo in die Landschaft schmeißen, ist das eine. Erschreckend betrachte ich den Umgang damit, wie die Stadtverwaltung nichts anderes tut, als auf unser aller Kosten den Dreck wegzuräumen. Hier müssen dringend ganz andere Befugnisse zur Ermittlung der Verursacher her und konsequente Bestrafung durchgesetzt werden."

Ein Anfang sei für sie der Beschluss des Stadtrates für die Bestellung der Müll-Detektive. "Ich hoffe, dass wir das früher als 2023 hinbekommen.

Die Stadt Leipzig will nämlich nach dem Mönchengladbacher Vorbild den Einsatz von Mülldetektiven testen. Eine Aufgabe wäre die Dokumentation samt Auswertung illegaler Abfälle zur Beweissicherung. So könnten Umwelttäter mit saftigen Bußgeldern zur Kasse gebeten werden.

Mängelmelder geht am Montag online

Die Detektive sollen zunächst nur testweise auf die Jagd gehen. Wann sie damit beginnen, ist noch unklar.
Die Detektive sollen zunächst nur testweise auf die Jagd gehen. Wann sie damit beginnen, ist noch unklar.  © Anke Brod

Auf Anfrage von TAG24 erläuterte der Eigenbetrieb Stadtreinigung, dass für Leipzig bisher keine Umweltdetektive unterwegs seien. Bürger könnten aber dem Ordnungsamt sowie über das "Projekt Stadtsauberkeit" Hinweise geben. Das Team beseitige die gemeldeten Ablagerungen.

Der Eigenbetrieb Stadtreinigung führe ferner eigene Sauberkeitsaktionen mit engagierten Bürgern durch und arbeite eng mit Initiativen und Vereinen zusammen. "Offensichtliche Verursacher werden auch jetzt schon zur Verantwortung gezogen", betonte der Eigenbetrieb.

Einen Schritt in die richtige Richtung will die Stadtverwaltung aktuell bei einem digitalen Medientermin vorstellen: Demnach geht ein "Mängelmelder" für die Messestadt schon kommenden Montag online! Hier sollen Bürger illegal entsorgte Abfälle, verunreinigte Gewässer, verschmutzte Glasinseln und weitere Mängel künftig melden können.

Titelfoto: Anke Brod

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