Betonstraße verschandelt agra-Park bei Leipzig: Was wird aus den Tunnel-Plänen?

Markkleeberg - Sie ist ein hässliches Erbe aus DDR-Zeiten: Eine Hochstraße aus den 1970er Jahren zerschneidet regelrecht den historischen agra-Park südlich von Leipzig. Vierspurig rollt der lärmende Verkehr über die Bundesstraße 2. Seit Jahren kämpft die Stadt Markkleeberg für einen Tunnel als Ersatz für die Betonhochstraße durch den historischen agra-Park. Große Hoffnung setzte die Stadt nach dem beschlossenen Kohleausstieg auf die milliardenschweren Strukturwandelhilfen. Daraus wird aber erstmal nichts. Das Projekt erhielt keinen Zuschlag und liegt zunächst auf Eis.

Markkleebergs OB Karsten Schütze (SPD, 54) glaubt weiterhin an das Tunnelvorhaben an der B2.
Markkleebergs OB Karsten Schütze (SPD, 54) glaubt weiterhin an das Tunnelvorhaben an der B2.  © Alexander Bischoff

Nach dem Beschluss des Bund-Länder-Koordinierungsgremiums ist das Projekt nicht mehr Bestandteil der Maßnahmenliste, gegenwärtig ist hierfür keine Finanzierung aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen vorgesehen, heißt es aus dem sächsischen Verkehrsministerium. Insofern sei die Finanzierung des Bauvorhabens gegenwärtig nicht gesichert und es müssten Abstimmungen mit dem Bund zum weiteren Vorgehen erfolgen.

Aus der Vielzahl der Bundesvorhaben seien diejenigen mit dem höchsten Nutzen für den Strukturwandel ausgewählt worden, erläutert Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU). Man habe Prioritäten setzen müssen.

Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2010 bezifferte die Kosten eines 400 Meter langen Tunnels auf 24 Millionen Euro, neuere Schätzungen gehen derzeit von 50 Millionen Euro aus.

Tunnel für B2 könnte Optik des agra-Parks verbessern

Einer Machbarkeitsstudie zufolge könnten die Bauarbeiten an einem potenziellen Tunnel bis zu 50 Millionen Euro kosten.
Einer Machbarkeitsstudie zufolge könnten die Bauarbeiten an einem potenziellen Tunnel bis zu 50 Millionen Euro kosten.  © Ralf Seegers

"An meinem ersten Urlaubstag habe ich telefonisch von der Absage erfahren, das war ein echter Schreck", erklärt der Oberbürgermeister der Stadt Markkleeberg, Karsten Schütze.

Der damalige Straßenbau stehe schließlich im direkten Zusammenhang mit dem Bergbau, betont der SPD-Politiker. "Die Hochstraße hat die Qualität des Parks negativ beeinflusst." Ohnehin sei die marode Brücke sanierungsbedürftig, dann doch lieber gleich ein optisch ansprechendes Projekt mit einem Tunnel, der die Optik des Parks deutlich verbessern würde.

Gegründet wurde der Park 1889 von Konsul Paul Herfuth, einem reichen Leipziger Zeitungsverleger. Er ließ ihn nach dem Vorbild der englischen Landschaftsgärten anlegen, in der Mitte eine Villa als Sommersitz und in der Nähe ein "antiker" Tempel als Zierde.

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Nach dem ersten Schreck über die Absage habe es aber gleich Gespräche mit dem zuständigen Ministerium und dem Ministerpräsidenten gegeben, betont Oberbürgermeister Schütze. "Eine Tunnellösung stellt die für den Freistaat vorzugswürdige Alternative zum aufwändigen Erhalt der in die Jahre gekommenen Brückenkonstruktion dar", teilt die Staatskanzlei mit.

Verantwortlich sei aber der Bund. Die Abstimmungen mit dem Bundesverkehrsministerium sollen nunmehr intensiv fortgesetzt werden.

Der Agra-Park ist beliebt bei Radfahrern und Spaziergängern. Der geplante Tunnel an der B2 könnte die Optik des Geländes noch einmal verbessern.
Der Agra-Park ist beliebt bei Radfahrern und Spaziergängern. Der geplante Tunnel an der B2 könnte die Optik des Geländes noch einmal verbessern.  © Ralf Seegers

Markkleebergs OB Schütze hat Gartenschau im Blick

Markkleebergs Oberbürgermeister geht daher nach wie vor davon aus, dass das Tunnelprojekt bis etwa 2030 realisiert wird.

Schütze rechnet auch in einem Planverfahren nicht mit viel Gegenwind. "Das Ganze wäre ja auch ein positiver Beitrag für den Naturschutz. Wir geben der Natur mit dem Tunnel ja wieder Raum zurück."

Die Stadt hat große Pläne mit dem Park: Wege und Pflanzen sollen nach historischem Vorbild gestaltet werden. "Dann könnte sich die Region mit dem Park und der Seenlandschaft auch für eine Gartenschau bewerben, auch auf Bundesebene", blickt das Stadtoberhaupt in die Zukunft.

Schließlich habe sich auf dem Gelände die erste bundesdeutschen Gartenbauausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg präsentiert, ehe sie nach Erfurt verlegt wurde.

Titelfoto: Ralf Seegers

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