Er starb bei einem Raketenangriff: Leipzig benennt Straße am russischen Konsulat nach Ukrainer

Leipzig - Es soll keine Anti-Russland-Entscheidung sein, doch die Nachricht ist deutlich: Der Leipziger Stadtrat beschloss am Mittwoch, dass die Turmgutstraße vor dem russischen Konsulat nach dem Ukrainer Boris Romantschenko (†96) benannt wird. Der 96-Jährige, der unter anderem das KZ Buchenwald überlebte, wurde bei einem russischen Raketenangriff getötet.

Die Turmgutstraße vor dem russischen Konsulat in Leipzig soll künftig einen neuen Namen tragen. Auf Initiative der Linken-Fraktion im Stadtrat wird sie in Boris-Romantschenko-Straße umbenannt.
Die Turmgutstraße vor dem russischen Konsulat in Leipzig soll künftig einen neuen Namen tragen. Auf Initiative der Linken-Fraktion im Stadtrat wird sie in Boris-Romantschenko-Straße umbenannt.  © Christian Grube

Der Beschluss wurde während der Ratsversammlung stark diskutiert. Kritik kam vor allem vonseiten der AfD. So bezeichnete AfD-Fraktionschef Siegbert Droese (53) es als "fraglich, ob Umbenennungen aus Zeitgeistgründen wichtig sind. Der Wind dreht sich auch wieder."

Für die Linke, die den Antrag zur Umbenennung vorangebracht hatte, erinnerte Stadträtin Beate Ehms an Boris Romantschenko.

Der 1926 in Bondari geborene Ukrainer Romantschenko war 1942, als 16-Jähriger, zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden. Nach einem Fluchtversuch 1943 war er in vier Konzentrationslagern interniert, überlebte sie alle. Buchenwald, Peenemünde, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen.

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Nach dem Krieg setzte sich Romantschenko für das Gedenken an die NS-Verbrechen ein. Er wurde Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und machte sich um die Aussöhnung zwischen den Völkern verdient.

"Zeichen an Russland, dass wir nicht wegschauen"

Laut Linken-Stadträtin Beate Ehms soll es sich nicht um einen "Anti-Russland-Antrag" handeln. "Er unterstützt all die, die sich in Russland für den Abzug der russischen Truppen einsetzen."
Laut Linken-Stadträtin Beate Ehms soll es sich nicht um einen "Anti-Russland-Antrag" handeln. "Er unterstützt all die, die sich in Russland für den Abzug der russischen Truppen einsetzen."  © Christian Grube

Am 18. März dieses Jahres starb Boris Romantschenko bei einem Angriff der russischen Streitkräfte auf sein Wohnhaus in Charkiw.

"Die Nachricht seines Todes ging um die Welt. Der Bundestag gedachte seiner mit einer Schweigeminute", sagte Ehms.

"Unser Vorhaben ist kein Anti-Russland-Antrag", so die Stadträtin. "Er unterstützt all die, die sich in Russland für den Abzug der russischen Truppen einsetzen. Nein, die Umbenennung wird den Krieg nicht beenden. Aber sie ist ein Zeichen an Russland, dass wir nicht wegschauen."

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Der Antrag wurde schließlich mit 33 Ja- und 17 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen beschlossen.

Ein Änderungsantrag von Marcus Weiss (Die Partei) statt der Turmgutstraße die Shukowstraße in Schönefeld umzubenennen, wurde hingegen abgelehnt.

Boris Romantschenko (†96) wurde im März bei einem Raketenangriff russischer Truppen auf sein Wohnhaus getötet. Als Jugendlicher überlebte der Ukrainer unter anderem das Konzentrationslager Buchenwald, setzte sich nach dem Krieg für das Gedenken an die NS-Verbrechen ein.
Boris Romantschenko (†96) wurde im März bei einem Raketenangriff russischer Truppen auf sein Wohnhaus getötet. Als Jugendlicher überlebte der Ukrainer unter anderem das Konzentrationslager Buchenwald, setzte sich nach dem Krieg für das Gedenken an die NS-Verbrechen ein.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Die Straße erinnert an den sowjetischen Marschall und Verteidigungsminister Georgi Konstantinowitsch Shukow (1896-1974).

Titelfoto: Christian Grube

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