Flucht am Knast-Tor: Dieser Kriminelle narrt seit Wochen die Polizei

Leipzig - Seit mehr als einem Monat narrt er die Polizei: Abdel-Malek B. (27), der berüchtigte Dauerdieb vom Leipziger Hauptbahnhof, der seinen Bewachern von der Bundespolizei am 23. Juli direkt vorm Gefängnistor abhandenkam. Trotz Großfahndung konnte der Ganove bislang nicht gefasst werden. Welche Umstände zu der Panne führten, verschweigen die Behörden bis heute.

Mit diesem polizeiinternen Fahndungsfoto wird europaweit nach Abdel-Malek B. gesucht.
Mit diesem polizeiinternen Fahndungsfoto wird europaweit nach Abdel-Malek B. gesucht.  © Alexander Bischoff

Er gilt als einer der berüchtigtsten Trickdiebe Leipzigs. Immer wieder nutzte Abdel-Malek B. Hektik und Gedränge im Hauptbahnhof aus, um Reisende zu bestehlen.

Doch am 22. Juli hatte der vorbestrafte und unter Bewährung stehende Ganove Pech. Nach einem Handy-Diebstahl konnte die Bundespolizei das Gerät orten und den Algerier im Eisenbahnstraßen-Viertel festnehmen.

Doch was dann passierte, zählt zu den größten Polizeipannen des Jahres. Am 23. Juli brachten drei Bundespolizisten und eine Praktikantin Abdel-Malek B. zuerst zum Ermittlungsrichter und nach Erlass eines Haftbefehls direkt zur Leipziger Justizvollzugsanstalt. Vor dem Knasttor stieg einer der Beamten aus, um Formalitäten zu klären.

Leipzig: 21-Jährige in Leipzig mit Reizgas angegriffen und ausgeraubt: Polizei sucht Zeugen
Leipzig 21-Jährige in Leipzig mit Reizgas angegriffen und ausgeraubt: Polizei sucht Zeugen

Kurz darauf verließ auch der an den Händen gefesselte Häftling den Gefangenentransport. Den drei verbliebenen Aufpassern war es nicht möglich, das zu verhindern.

Fataler noch: Keinem der Beamten gelang es, den mit Handschellen von dannen rennenden Ganoven einzuholen.

Abdel-Malek B. ist bis heute unauffindbar

Nach der spektakulären Flucht am Knast-Tor suchten rund 100 Polizeibeamte mit Hunden nach Abdel-Malek B.
Nach der spektakulären Flucht am Knast-Tor suchten rund 100 Polizeibeamte mit Hunden nach Abdel-Malek B.  © News5/Grube

Die Gründe dafür verschweigt die Polizei bis heute. "Die Überstellungssituation wurde durch die Bundespolizeiinspektion Leipzig kritisch ausgewertet. Unsere Beamtinnen und Beamten wurden dienstgruppenübergreifend sensibilisiert und Handlungsabläufe optimiert", heißt es lediglich auf Anfrage von TAG24. Was konkret schieflief, will die Behörde nicht sagen.

Auch merkwürdig: Obwohl nach der Flucht 100 Beamte nach Abdel-Malek B. suchten, dabei auch Fährtenhunde und ein Hubschrauber im Einsatz waren, blieb der Flitzer samt Handschellen unauffindbar. Bis heute!

Neben den aktuellen Ermittlungen wegen Diebstahls und Drogenbesitzes gibt es laut Staatsanwaltschaft bereits zwei Anklagen gegen den Dauerkriminellen: wegen exhibitionistischer Handlungen und unerlaubter Einreise nach Ausweisung.

... und noch ein Ganove ging stiften

Es ist nicht der Sommer der Bundespolizei in Leipzig. Nach der Flucht von Abdel-Malek B. (27) im Juli nahm am vergangenen Sonntag der nächste gefasste Ganove Reißaus.

Der Deutsche war beim Ladendiebstahl in den Hauptbahnhof-Promenaden erwischt und von Bundespolizisten auf die Bahnhofs-Wache gebracht worden. Der Mann habe sich zunächst kooperativ gezeigt und Personalien angegeben, erklärte ein Behördensprecher.

Während die Beamten die Angaben im Dienstcomputer überprüften, drückte der Dieb in einem verschlossenen Warteraum den kompletten Holzfensterrahmen aus den Angeln. Er kletterte aus der Wache und rannte über den Querbahnsteig von dannen. Auch die Suche nach diesem Flitzer blieb bislang erfolglos.

Dieses Fenster der Bundespolizeiwache im Leipziger Hauptbahnhof drückte der am Sonntag gefasste Dieb auf und verschwand wieder.
Dieses Fenster der Bundespolizeiwache im Leipziger Hauptbahnhof drückte der am Sonntag gefasste Dieb auf und verschwand wieder.  © Alexander Bischoff

Die angegebenen Personalien stellten sich übrigens als falsch heraus.

Titelfoto: Montage Alexander Bischoff; News5/Grube

Mehr zum Thema Leipzig Lokal: