Leipziger Kliniken verbieten Begleitung bei Geburten: Hebammen entsetzt

Leipzig - Seit wenigen Tagen dürfen Begleitpersonen von schwangeren Frauen in Leipziger Kliniken nicht mehr bei der Geburt im Kreißsaal anwesend sein. Grund sind die erhöhten Corona-Vorkehrungen. Mehrere Hebammen und Mütter äußerten sich kritisch zu der Entscheidung, werdende Mamas suchen krampfhaft nach Alternativen. 

Gebärende dürfen in Leipziger Entbindungskliniken keine Begleitperson mit in den Kreißsaal nehmen. (Symbolbild)
Gebärende dürfen in Leipziger Entbindungskliniken keine Begleitperson mit in den Kreißsaal nehmen. (Symbolbild)  © Unsplash/freestocks

"Wir verstehen, dass unsere Entscheidung (...) den Frauen, die kurz vor der Entbindung stehen, Sorge bereitet und dass dies keine einfache Situation ist", schrieb eine Sprecherin der Universitätsklinik Leipzig (UKL) auf TAG24-Anfrage. "Auch für uns ist es schwer, sie und andere enttäuschen zu müssen. Aber die aktuelle Entwicklung der Infiziertenzahlen lässt uns leider keine Wahl." 

Man habe die Festlegungen "schweren Herzens" zusammen mit den anderen Entbindungskliniken St. Georg und St. Elisabeth getroffen, "da wir alle vor der gleichen Herausforderung stehen."

Die Teams in der Geburtsmedizin des UKL seien "weiterhin komplett an Bord und stellen sicher, dass alle Gebärenden gut und umfassend begleitet werden." 

Und weiter: "Wir bedauern sehr, dass wir diese medizinisch notwendige Entscheidung im Interesse der Gesundheit unserer anderen Patienten, der Neugeborenen und auch unseres Personals treffen mussten."  

Das Klinikum St. Georg schreibt auf seiner Homepage: "Wir werden unser Bestes geben, Sie unter der Geburt liebevoll und sicher zu begleiten." Und auf TAG24-Anfrage teilte das St. Elisabeth mit, dass man sich aufgrund der "aufgeheizten Situation" nicht weiter äußern wolle, jedoch einzig das Ziel hat, Mütter, Kinder und die eigenen Mitarbeiter zu schützen.

Werdende Mütter verlassen Stadtgrenzen oder gehen in Geburtshäuser

Neben dem Universitätsklinikum Leipzig haben sich einheitlich auch das St. Elisabeth und das St. Georg gegen Begleitpersonen bei Geburten entschieden.
Neben dem Universitätsklinikum Leipzig haben sich einheitlich auch das St. Elisabeth und das St. Georg gegen Begleitpersonen bei Geburten entschieden.  © Christian Grube

Einige Gebärende hatten sich schon jetzt auf den Weg in eine umliegende Stadt gemacht, um ihr Baby in einer Klinik mit einer Begleitperson zu entbinden. Sind Mutter und Kind gesund, sind aber auch Hausgeburten möglich. Neben den eigenen vier Wänden ist dies auch in Geburtshäusern möglich. Hier sind Begleitpersonen zum jetzigen Stand zugelassen.

Mehrere Hebammen haben sich unter einer an OB Burkhard Jung sowie den drei Klinikleitern gerichteten Petition zu Wort gemeldet. Schon über 12.200 Menschen haben diese unterschrieben (Stand 8. April, 10.45 Uhr).

"Ich bin Hebamme und kann das Verbot der Begleitperson unter einer Geburt, die einmalig ist und nicht nachgeholt werden kann, nicht nachvollziehen", schreibt Anne H. Parallel müsse eine Hebamme zwei bis drei Geburten begleiten, eine 1:1-Betreuung sei kaum bis nicht realisierbar. "Wo leben wir denn, wenn Wochenmärkte stattfinden, aber eine Gebärende muss alleine ihr Kind zur Welt bringen?"

Domenica R. schreibt: "Viele hochschwangere Frauen sind wegen dieser Regelung höchst verängstigt - und Angst ist der natürliche Feind jeder gesunden Geburt. Die Begleitung muss möglich sein, zum Schutz von Mutter und Kind", fordert sie. "Das sagt nicht nur jede deutsche gynäkologische und geburtshilfliche Fachgesellschaft, sondern auch die WHO."

Juliane S. hat die Petition unterschrieben, "weil ich es schrecklich finde, werdenden Eltern dieses Erlebnis zu nehmen. Niemand gibt ihnen das jemals zurück. Es gibt keine wichtigere Unterstützung als den Vater."

Und Angela D. ergänzt: "Als Hebamme weiß ich um die Bedeutung der Geburt als einen wichtigen Moment der Prägung sowohl für die Mutter-Kind-Beziehung als auch für die emotionale Gesundheit unserer Kinder. Ich halte diese übertriebenen 'Schutz-Maßnahmen' für gefährlich. Sowohl die Hebammen, als auch Gebärende werden von den Verantwortlichen dieser Maßnahmen wieder im Stich gelassen."

Eine 1:1-Betreuung, von denen die Rede ist, sei "in keiner Klinik in Leipzig möglich", schreibt Hebamme Anna Lena M. "Die Frauen brauchen ihre Begleitpersonen!"

Wie lange die Regelung aufrechterhalten wird, hängt von der Corona-Situation ab. 

Titelfoto: Bildmontage: Christian Grube, Unsplash/freestocks

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