"Paradebeispiel für Integration": Warum wurde Leipziger Hebamme in den Kosovo abgeschoben?

Leipzig - Adelina A. wohnte seit 2015 mit ihrem Mann in Deutschland, hatte einen festen Job als Hebamme, die deutsche Sprache erlernt und war fest in ihren neuen Alltag integriert. Nun wurde die 30-Jährige in einer Nacht - und Nebelaktion in den Kosovo abgeschoben - ihre Bekannten, Freunde und Patientinnen sind entsetzt!

Adelina A.(30) liebt ihren Job als Hebamme in einer Leipziger Praxis.
Adelina A.(30) liebt ihren Job als Hebamme in einer Leipziger Praxis.  © privat

In der Nacht zum Dienstag ging auf einmal alles ganz schnell: Die Polizei stand mit einem Abschiebebescheid vor der Tür der Hebamme, nahm der jungen Frau das Handy ab und ließ ihr genau eine Stunde Zeit, um ihr wichtigstes Hab und Gut in zwei Koffer zu packen.

"Ihr erster Gedanke war, dass sie ihr Handy noch einmal brauchte, um einen Kurs für ihre Kundinnen am Dienstagmorgen abzusagen", berichtet Emily Röger, die in der derselben Hebammen-Praxis wie Adelina in der Buchhaltung arbeitet.

Von Leipzig aus wurde Adelina dann zum Flughafen nach Berlin gebracht, wo noch in derselben Nacht ein Flugzeug zurück in den Kosovo abhob - der alten Heimat der 30-Jährigen, aus der Adelina mit ihrem Mann 2015 als Wirtschaftsflüchtling gekommen war.

"Die finanzielle Lage der beiden war katastrophal, Adelina hat dann versucht, in Deutschland als Hebamme Fuß zu fassen", so Emily Röger weiter.

Fachkräftemangel in der Geburtshilfe: Warum musste Adelina A. gehen?

Kein leichtes Unterfangen, denn ihr Bachelor-Abschluss in "Midwifery" wurde hier nicht anerkannt. Adelina belegte einen Sprachkurs, fing nebenbei an in der Hebammen-Praxis "Kleine Füße" von Dagmar Röger zu arbeiten.

Mittlerweile ist sie dort ein fester Bestandteil des Teams, begleitet Schwangere vor und nach der Geburt, bietet Rückbildungs- und Gymnastikkurse an. "Sie ist ein Paradebeispiel von Integration", teilt Emily Röger die Meinung aller Patientinnen und Bekannten von Adelina.

Viele wollen sich solidarisch mit Adelina zeigen - unter anderem wurde ein Spendenaufruf über die Website betterplace ins Leben gerufen. "Mit den Spenden möchten wir laufende Kosten für Anwälte abdecken, bestenfalls die Flugtickets zurück nach Hause nach Leipzig. Wir sind für jede Spende dankbar", heißt es auf der Seite. Denn Adelina und ihre Unterstützer wollen nicht aufgeben und fechten die Entscheidung der Ausländerbehörde an.

"Da Adelina über die Ausländerbehörde in Chemnitz und nicht in Leipzig gemeldet wurde, hat es eventuell Verfahrensfehler mit ihrem Antrag gegeben", so Emily Röger hoffnungsvoll. Immer wieder war Adelinas Aufenthaltsgenehmigung für sechs Monate verlängert worden, eine erneute Prüfung ihres Aufenthaltsantrags hatte eigentlich noch ausgestanden.

Aktuell ist Adelina in ihrer alten Heimat bei Bekannten untergekommen. Nach dem Gesetz ist es ihr nach dem aktuellen Stand nun für 2,5 Jahre nicht erlaubt, wieder nach Deutschland einzureisen.

"Uns ist nicht klar, wie sowas passieren kann. Vor allem Hebammen werden in Deutschland auch händeringend gesucht, wie kann man jemanden, der so gut integriert und fachlich ausgebildet ist, wegschicken?"

Titelfoto: privat

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