Massengräber in Leipzig gefunden

Leipzig - Der Nivea-Hersteller Beiersdorf will ab 2022 auf einem Gelände nahe der Neuen Messe mit der Produktion in einer neuen Werkshalle beginnen (TAG24 berichtete). Bei Grabungen im Vorfeld wurden jetzt erschreckende Funde gemacht. 

Dieser Gefallene wurde von der Geschosskugel im Bereich der Schulter vermutlich tödlich verletzt.
Dieser Gefallene wurde von der Geschosskugel im Bereich der Schulter vermutlich tödlich verletzt.  © Landesamt für Archäologie

Schon seit Februar untersuchen Experten des Landesamts für Archäologie Sachsen den Boden auf dem 28 Hektar großen Gelände.

In den letzten Wochen wurden dabei interessante Entdeckungen gemacht, "die neue Erkenntnisse über die Schlacht bei Breitenfeld im Dreißigjährigen Krieg [1618-1648, Anm. d. Red.] liefern können", so Sprecherin Lisa van Bömmel-Wegmann.

Dabei wurden den Angaben zufolge Überreste von 19 menschlichen Skeletten freigelegt und ausgegraben. 

"In flachen Gruben fanden die Wissenschaftler zwei Massengräber mit zehn beziehungsweise sechs Toten, ein Doppel- und ein Einzelgrab.

Im genannten Einzelgrab gab es demnach eine besondere Entdeckung. 

Bei dem Toten wurde eine Geschosskugel in der Schulter gefunden, die geborgen werde konnte. Die Munition zeuge von einer Schussverletzung, die vermutlich zum Tod geführt hat. 

Leipzig öffnet, Waldheim schließt

Referatsleiter Dr. Harald Stäuble (3. v.r.) erklärt die Befundsituation an einem der Massengräber.
Referatsleiter Dr. Harald Stäuble (3. v.r.) erklärt die Befundsituation an einem der Massengräber.  © Landesamt für Archäologie

Auf dem Areal wurden auch weitere Bleikugeln, Knöpfe und andere Gegenstände gefunden. Doch weitere Fundobjekte, die nähere Informationen zum Dreißigjährigen Krieg liefern könnten, werden wahrscheinlich kaum noch entdeckt werden.

"Um Seuchen vorzubeugen, wurde die ansässige Bevölkerung damals angewiesen, die gefallenen Soldaten zu bestatten. Dabei wurden die Leichname meist vollständig geplündert, sodass auf dem Schlachtfeld kaum Brauchbares zurückblieb", so van Bömmel-Wegmann.

Der Nivea-Riese Beiersdorf wird laut Leipziger Rathaus in der neuen Betriebsstätte rund 200 neue Arbeitsplätze schaffen. 

Später soll die Industrieanlage weiter ausgebaut werden und langfristig mehreren Hundert Mitarbeitern Jobs bieten. 

Dafür wird das Florena-Werk im mittelsächsischen Waldheim geschlossen (TAG24 berichtete). 

"Mit dieser ‎Ansiedlung holen wir eine ganz neue Branche nach Leipzig und stellen uns industriepolitisch breiter auf", freute sich Oberbürgermeister Burkhard Jung (61, SPD). "Wir haben erneut bewiesen, dass wir europaweit im Wettbewerb bestehen und gewinnen ‎können."

Im gleichen Atemzug soll das betroffene Industriegebiet Seehausen II öffentlich erschlossen werden, Straßen, Rad- und Fußwege und Bushaltestellen für etwa neun Millionen Euro erschaffen werden. 

Titelfoto: Landesamt für Archäologie

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