Niels Gormsens trauriges Erbe: Leipzigs Schwimmende Gärten vergammeln!

Leipzig - An Poesie fehlte es nie. Ein Kunstprojekt aus feinstem Edelstahl, das seit Jahren im Pleißemühlgraben an der Otto-Schill-Straße in Leipzig jedem Wetter standhält, verkommt seit einiger Zeit immer mehr zum Schandfleck. Dabei wurde es einst mit solch wohlklingenden Titeln, wie "Blumenboote" oder "Schwimmende Gärten" bedacht.

Sie waren einst ein Geschenk, heute gammeln die "Schwimmenden Gärten" im Pleißemühlgraben nur noch vor sich hin.
Sie waren einst ein Geschenk, heute gammeln die "Schwimmenden Gärten" im Pleißemühlgraben nur noch vor sich hin.  © Lutz Brose

Bedacht wurde damit auch Leipzigs Nachwende Baudezernent, Niels Gormsen (1927-2018), der als Vorsitzender des Vereins "Neue Ufer e. V." maßgeblich beteiligt war, Leipzigs verrohrte Flüsse wieder ans Licht zu holen. Ihm wurden die Dinger mal geschenkt.

Doch nicht wegen ihrer Blumenpracht geriet das Projekt immer wieder in die Schlagzeilen, sondern weil sich die Kunstinstallation als Tierfalle entpuppte und für dutzende Rettungseinsätze und mindestens genauso viele tote Küken verantwortlich ist.

Niels Gormsen verstarb 2018, ein Jahr später löste sich der Verein auf und seit dem gammeln die "Schwimmenden Gärten" vor sich hin. Heute gleichen sie mehr einem Dürremonitor. Neben vertrockneten Pflanzen sammelt sich zudem immer mehr Müll auf den Inseln.

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Am heutigen Dienstag wäre Niels Gormsen 95 Jahre alt geworden. Anlass, sich der Sache endlich anzunehmen. Immerhin wurden bei der Trauerfeier von Gormsen 4000 Euro dafür gesammelt, angekommen scheint aber noch nichts.

Die Stadt als Eigentümer des Pleißemühlgrabens könnte von ihrer direkt daneben liegenden Außenstelle drauf gucken, wenn die Fenster nicht mit Milchglasfolie behaftet wären.

Immerhin für sie sind sie heute sicherer: Dank eines Rettungsstegs werden die "Gärten" mittlerweile nicht mehr zur Todesfalle für Küken.
Immerhin für sie sind sie heute sicherer: Dank eines Rettungsstegs werden die "Gärten" mittlerweile nicht mehr zur Todesfalle für Küken.  © Lutz Brose

Wenigstens hat das Kükensterben inzwischen ein Ende. Tierschützer haben die Anlage mit einem Rettungssteg ausgestattet.

Titelfoto: Lutz Brose

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