Knochenfund in Leipzig: Sind das die Gebeine eines geköpften Dreifachmörders?

Leipzig - Bei Abrissarbeiten sind auf dem ehemaligen Preußischen Freiladebahnhof in Leipzig Knochen und Schädel mehrerer Menschen gefunden worden. Ganz in der Nähe des Fundorts übten bis Mitte des 19. Jahrhunderts Leipzigs Scharfrichter ihr Handwerk aus. Die letzte öffentliche Hinrichtung wurde hier 1854 am Dreifachmörder Carl August Ebert (†32) vollzogen. Gut möglich, dass nun auch seine Gebeine ans Tageslicht kamen.

Mittlerweile ist das Baufeld am Freiladebahnhof beräumt. Hier stießen Arbeiter auf die wild durcheinander liegenden Gebeine mehrerer Menschen.
Mittlerweile ist das Baufeld am Freiladebahnhof beräumt. Hier stießen Arbeiter auf die wild durcheinander liegenden Gebeine mehrerer Menschen.  © Ralf Seegers

Es war am Montag, als Bauarbeiter nach dem Abriss einer im Jahr 1900 gebauten Laderampe im Erdreich auf die Überreste mehrerer Menschen stießen. Die Polizei brachte Knochen und Schädel in die Rechtsmedizin, wo sie aktuell untersucht werden. Ersten Analysen zufolge könnten die Gebeine zwischen 150 und 200 Jahre alt sein.

Stießen die Arbeiter auf einen alten Friedhof?

"Dagegen spricht die Lage der Knochen", sagt eine Polizeisprecherin. Recherchen von TAG24 beim Stadtgeschichtlichen Museum weisen für die damals noch vor den Stadttoren liegende Petzscher Mark, so der historische Name des Flurstücks, auch keinerlei Friedhöfe auf.

Leipzig: Coronavirus in Leipzig: Messestadt mit höchster Inzidenz Sachsens
Leipzig Coronavirus in Leipzig: Messestadt mit höchster Inzidenz Sachsens

Dafür taucht in Karten des frühen 19. Jahrhunderts am Südrand die "Neue Scharfrichterey" auf. Sie ist auf einer Wegekarte von 1832 noch weit und breit die einzige bauliche Anordnung im Brachland - und das nur wenig entfernt von der heutigen Fundstelle der Knochen und Schädel.

Hier lag einst die "Neue Scharfrichterey"

Auf dieser Karte von 1832 ist die "Neue Scharfrichterey" (Kreis) eingezeichnet, ganz in der Nähe (Kreuz) wurden jetzt Knochen und Schädel gefunden.
Auf dieser Karte von 1832 ist die "Neue Scharfrichterey" (Kreis) eingezeichnet, ganz in der Nähe (Kreuz) wurden jetzt Knochen und Schädel gefunden.  © Montage: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig + Polizei Leipzig

Serienmörder im geraubten Hemd überführt

Die zeitgenössische Darstellung des Dreifachmörders Carl August Ebert.
Die zeitgenössische Darstellung des Dreifachmörders Carl August Ebert.  © Montage: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig (Inv.-Nr. K/849/2002) + Ralf Seegers

In Leipzigs Archiven sind mehrere Hinrichtungen dokumentiert. Die wohl berühmteste war die Exekution des Johann Christian Woyzeck (†44) am 27. August 1824 auf dem Marktplatz. Der Perückenmacher hatte zuvor in flammender Eifersucht die Arztwitwe Johanna Woost (†46) entleibt. Es war die Vorlage für Georg Büchners Roman „Woyzeck“.

Die meisten Hinrichtungen fanden zu dieser Zeit aber auf der neuen Scharfrichterey statt. Die letzte öffentliche wurde am 16. Juni 1854 am Schneidergesellen Carl August Ebert mit dem Fallbeil vollzogen.

Der 1822 im preußischen Drossen geborene Raubmörder hatte in seiner Heimat bereits eine Witwe und einen alten Landwirt getötet. Im August 1848 floh er aus dem Gefängnis und tauchte in Leipzig unter.

Kreuzungscrash in Leipzig: Renault hat angeschnalltes Fass auf dem Beifahrersitz!
Leipzig Unfall Kreuzungscrash in Leipzig: Renault hat angeschnalltes Fass auf dem Beifahrersitz!

Am 5. Januar 1853 erschlug Ebert die Schuhmacherwitwe Friese in deren Wohnung mit einem Hammer, raubte 30 Thaler, Schmuck und zwei weiße Leinenhemden ihres verstorbenen Gatten. Bei seiner Festnahme neun Tage später trug er eines davon und ward sofort überführt. Nach späterem Geständnis wurde Ebert vom Königlichen Appellationsgericht zum Tode durch das Fallbeil verurteilt.

In dieser Druckschrift von 1854 sind die Ermittlungsergebnisse, die zur Hinrichtung Eberts führten, zusammengefasst.
In dieser Druckschrift von 1854 sind die Ermittlungsergebnisse, die zur Hinrichtung Eberts führten, zusammengefasst.  © Montage: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig (Signatur 352-41) + Ralf Seegers

Über den Verbleib von Eberts Gebeinen und die mehrerer anderer hingerichteter Straftäter herrschte bislang Unklarheit. Das könnte sich jetzt mit dem jüngsten Knochenfund ändern.

Titelfoto: Montage: Ralf Seegers + Polizei Leipzig + Stadtgeschichtliches Museum Leipzig (Inv.-Nr. K/849/2002)

Mehr zum Thema Leipzig Lokal: