Zum Kuchen gibt's Müll: Auf diesen Balkonen wird das Käffchen zum Ekel-Erlebnis!

Von Anke Brod

Leipzig - Milde Frühlingstemperaturen laden die Menschen vielerorts zum gemütlichen Käffchen auf dem Balkon ein. Anders in Leipzig-Grünau: Von einem Mehrfamilienhaus an der Ringstraße wird der Ausblick auf beruhigendes Grün durch einen seit Wochen wachsenden Müllberg gehörig getrübt.

Diesen Anblick will wohl niemand haben: Der Müllhaufen an der Ringstraße treibt Anwohner immer mehr zur Weißglut.
Diesen Anblick will wohl niemand haben: Der Müllhaufen an der Ringstraße treibt Anwohner immer mehr zur Weißglut.  © privat

Seit rund einem Monat verwechseln dort einige Bürger die Zufahrt zwischen den Hausnummern 199 und 201 augenscheinlich mit einem Wertstoffhof. Munter werden hier skrupellos und sukzessive ausgediente Möbel, Hausmüll und weiterer Unrat abgekippt.

Bisher änderte sich trotz mehrfacher Online-Einträge im neuen "Mängelmelder" der Stadt Leipzig nichts. "Inzwischen lagern an der Stelle auch schon Farbeimer und Kühlschränke", schilderte Anwohner Eric Koch (46) gegenüber TAG24.

Er hatte die Redaktion auf die unappetitlichen Umstände aufmerksam gemacht. Der Grünauer lebt seit elf Jahren in einem Elfgeschosser an der Stuttgarter Allee und kann die Ringstraßen-Misere von seinem Fenster aus gut einsehen.

Ratten sind seinem Empfinden nach nicht mehr weit weg.

Der Abfallhaufen am Haus wächst stetig

Auf der Website des Mängelmelders der Stadt Leipzig ist dies nicht der einzige Hinweis zu dem Schandfleck. Mindestens fünf Einträge finden sich bereits.
Auf der Website des Mängelmelders der Stadt Leipzig ist dies nicht der einzige Hinweis zu dem Schandfleck. Mindestens fünf Einträge finden sich bereits.  © Screenshot/Stadt Leipzig

"Erst waren es Matratzen", beschrieb Eric Koch das Geschehen verärgert und beobachtet fast täglich: "Seither kommt immer mehr Müll hinzu!"

Der Mängelmelder der Stadt Leipzig, in dem Bürger störende Alltagsdinge mitsamt Fotos wahrgenommener Hotspots unbürokratisch zur Abhilfe eingeben können, ist nun seit dem 19. April online.

Über das Abfallproblem an der Ringstraße finden sich darin bis dato mindestens fünf Einträge wieder.

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Anmerkungen jeweiliger Sachbearbeiter verweisen im vorliegenden Fall teils auf das Ordnungsamt, die zuständige Hausverwaltung oder einen Entsorgungsdienst.

Letzterer hat an dem Grünauer Schandfleck seit einiger Zeit nämlich einen roten Müllcontainer "geparkt".

Ist die wilde Müllkippe bald Vergangenheit?

Der Müllberg wächst indes stetig weiter. Nun könnte sich jedoch die Stadt Leipzig darum kümmern.
Der Müllberg wächst indes stetig weiter. Nun könnte sich jedoch die Stadt Leipzig darum kümmern.  © privat

Koch informierte wegen der wilden Müllkippe unter anderem auch Heiko Bär, seines Zeichens Grünauer SPD-Stadtrat. Am 12. Mai erhielt er von diesem eine Rückmeldung über Eigenbemühungen.

So heißt es in einer entsprechenden Mail der Polizeibehörde im Ordnungsamt, dass sowohl der "Vermieter als auch die Firma, welche den roten Container aufgestellt habe", mit Fristsetzung aufgefordert worden seien, "den ganzen Müll zu beseitigen". Jene Frist endete am 14. Mai.

Danach - ab dem heutigen Montag - sei die Stadt Leipzig zur "Ersatzvornahme" berechtigt ... könne selbst die Entsorgung beauftragen und anfallende Kosten dem Vermieter oder der Containerfirma in Rechnung stellen. Der Container, "welchem auch der Müll drumherum zurechnet werden müsse", sei klar gekennzeichnetes Eigentum einer privaten Firma, hieß es.

Eine Recherche-Anfrage von TAG24 an die Stadtverwaltung steht indes noch zur Beantwortung aus.

UPDATE, 21 Uhr: Müllberg am Nachmittag verschwunden

Am Montagabend war von dem riesigen Müllberg nichts mehr zu sehen.
Am Montagabend war von dem riesigen Müllberg nichts mehr zu sehen.  © privat

Wie ein Anwohner gegenüber TAG24 bestätigte, wurde der Müllberg an der Ringstraße im Laufe des Nachmittags abgetragen.

Die Freude unter den Anwohner war groß.

"Lerneffekt!": Containerfirma kümmerte sich um Beseitigung des Mülls

Wie das Ordnungsamt am Dienstag auf TAG24-Anfrage bestätigte, war der Müllberg am Montag durch eine beauftragte Entrümplungsfirma und die Containerfirma geräumt worden. Zuvor waren bei der Behörde zahlreiche Hinweise eingegangen.

"Das Ausmaß war selbst für langjährige Außendienstmitarbeiter/-innen erschreckend. Zunächst wurden daher Beweise gesichert und entsprechende Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Parallel wurden Ermittlungen bezüglich des für die Containerstellung Verantwortlichen eingeleitet, da dieser durch sein Handeln die Ursache für das Hinzukommen weiterer Ablagerungen gesetzt hat", heißt es in einer Mitteilung des Ordnungsamts.

Dass nicht die Stadtreinigung selbst für die Beseitigung des Mülls aufkam, sei ein wichtiges Zeichen gewesen.

"Ohne das Entfernen des Containers wäre zu befürchten gewesen, dass es in der weiteren Folge erneut zu einer ähnlichen Situation kommt. Gleichzeitig wäre damit die Beräumung durch öffentliche Gelder und somit zu Lasten der Allgemeinheit erfolgt", so das Ordnungsamt.

Titelfoto: privat

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