Schreckliche Szenen in Leipzig: Mauersegler-Baby verhungert auf Baustelle

Von Anke Brod

Leipzig - Zwei Mauersegler-Kinder kämpften im Leipziger Stadtteil Anger-Crottendorf vor den Augen ihrer hilflosen Eltern verzweifelt mit dem bevorstehenden Hungertod. Helfer bargen die Vogelbabies am Mittwoch, nur eines überlebte jedoch.

Eine Baustelle wurde für zwei Mauersegler zur lebensgefährlichen Situation.
Eine Baustelle wurde für zwei Mauersegler zur lebensgefährlichen Situation.  © NABU Leipzig

"Direkt am Einflugloch zu ihrem Nistplatz wird gerade Wand an Wand ein neues Haus gebaut", erläuterte Karsten Peterlein (44), Projektleiter der Wildvogelhilfe Leipzig im Gespräch mit TAG24. 

Er sagte: "Ein Arbeiter auf der Baustelle war überrascht, als er beim Entfernen der Fassadendämmung des benachbarten Gebäudes plötzlich zwei nestjunge Mauersegler fand". 

Er habe dann die Wildvogelhilfe des NABU-Regionalverbandes Leipzig informiert und um Aufnahme der Vögel gebeten.

"Leider viel zu spät", bedauerte der engagierte Arbeitskreisleiter für Ornithologie und Vogelschutz und schilderte weiter: "Beim Eintreffen an der Baustelle war der Schaden unübersehbar. Die Dämmung, in der sich der Nistplatz befand, wurde großflächig entfernt, eine Rekonstruktion war nicht möglich". 

Beide Jungvögel waren demnach mangelernährt, der kleinere extrem untergewichtig und unterkühlt. Peterlein meinte traurig: "Der Jungvogel starb kurz nach der Meldung, er ist qualvoll verhungert!" Der Größere werde in der Wildvogelstation von Hand aufgezogen.

"Wir haben die Naturschutzbehörde informiert und erstatten Anzeige", so die Konsequenz.

Warum schreitet niemand ein?

Die Mauersegler-Eltern schwirrten verzweifelt um das Gebäude.
Die Mauersegler-Eltern schwirrten verzweifelt um das Gebäude.  © NABU Leipzig

Das Bundesnaturschutzgesetz stellt Mauersegler mitsamt ihrer Nistplätze nach Paragraph 44 ganzjährig unter Schutz. Angeblich hätten die Bauarbeiter in Anger-Crottendorf nichts von den brütenden Vögeln gewusst. 

Nach Peterleins Meinung ist das schwer zu glauben, seien diese Segler doch bei ihren Anflügen nahe der Hauswand zu beobachten. "Auch nach der Nestzerstörung konnte man noch den verzweifelten Anflug der Altvögel beobachten", gibt sich Peterlein nachhaltig schockiert.

Weil es Bauherren und Bauarbeitern häufig allein überlassen bleibe, geschützte Arten festzustellen und zu melden, werde täglich das Bundesnaturschutzgesetz missachtet. Bei nahezu jedem Bauvorhaben seien aber geschützte Arten im Spiel.

Sanierungsarbeiten und Neubauten sollten daher nicht nur von Bauämtern, sondern auch von der Naturschutzbehörde genehmigt werden, findet Peterlein.

Die Vogelbabies konnten zwar gerettet werden, jedoch überlebte nur eines der Geschwister.
Die Vogelbabies konnten zwar gerettet werden, jedoch überlebte nur eines der Geschwister.  © NABU Leipzig

Der NABU Leipzig fordert grundsätzlich vor allen Bauarbeiten artenschutzfachliche Gutachten.

Titelfoto: NABU Leipzig

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