"Wir akzeptieren keine Atteste": Moritzbastei besteht auf Mundschutz und erntet Kritik

Leipzig - Seit Monaten hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Inzwischen wurde einige der Hygieneregeln wieder gelockert: In Sachsen sind Restaurant- und Kneipenbesuche gestattet, solange auf dem Weg zum Tisch und beim Gang zur Toilette ein Mundschutz getragen wird. Doch an der Umsetzung hapert es oft. So auch in der Leipziger Moritzbastei.

Die Moritzbastei ist Kult in Leipzig. Inzwischen ist sie auch wieder für Gäste geöffnet.
Die Moritzbastei ist Kult in Leipzig. Inzwischen ist sie auch wieder für Gäste geöffnet.  © Annika Rank

Die Freude war groß, als die Moritzbastei nach monatelanger Zwangspause endlich wieder ihre Türen für Gäste öffnen durfte.

Doch zumindest für die Mitarbeiter und Verantwortlichen der Veranstaltungsstätte währte das Glück nicht lange: Am Donnerstag sprach das Kulturzentrum Klartext.

In einem Facebook-Post wurde dem Ärger über Mundschutz-Verweigerer Luft gemacht. Grund dafür waren einige Vorfälle, bei denen auf dem Weg zum Tisch und beim Betreten des Gebäudes keine Maske getragen wurde. Das erklärte die Moritzbastei TAG24 auf Anfrage.

Doch die Beschwerden gehen noch weiter: Auch Menschen, denen von einem Arzt die Befreiung der Maskenpflicht attestiert wurde, werden in dem Beitrag direkt angesprochen. 

"(...) Achtet doch bitte auf eure Gesundheit und setzt euch nicht den Risiken einer kulturellen Veranstaltung oder eines Kneipenbesuches aus", so die zynische Anweisung der Moritzbastei.

Und für diejenigen, die den Kern dieser Aussage nicht begriffen haben, kam noch ein klarer Hinweis hinterher: "Nein, wir akzeptieren keine Atteste". 

Bei diesen krassen Formulierungen überrascht die Flut an Facebook-Kommentaren wohl kaum. Doch wie man schnell sieht, scheiden sich bei dem Thema die Geister.

Gespaltene Meinungen auf Facebook

In geschlossenen Räumen sollen Masken getragen werden, um das Risiko auf eine Coronavirus-Übertragung zu minimieren. (Symbolbild)
In geschlossenen Räumen sollen Masken getragen werden, um das Risiko auf eine Coronavirus-Übertragung zu minimieren. (Symbolbild)  © 123rf/ RATTANAKUN THONGBUN

"Sehr schön formuliert. Sollte für jeden selbstverständlich sein, die blöde Maske da zu tragen", heißt es da beispielsweise von einer Userin. 

Und sie ist nicht die Einzige: Mehrere Kommentare geben der Ansage der Moritzbastei recht: "Finde ich Super! Bin da ganz eurer Meinung. Die paar Minuten mit Maske werden wohl keinen umbringen". 

Oder doch? Die ärztlichen Atteste zur Befreiung werden ja oft wegen ernsthaften gesundheitlichen Einschränkungen ausgestellt. "Ob Panikattacken, Hautprobleme, Atembeschwerden wegen Asthma, Migräneanfällige Menschen etc! Diese Menschen sollen gestraft werden und nicht mehr unter Leute? Euer Ernst? (Rechtschreibung übernommen)", hagelt es  Kritik. 

Aus dem Posting der Veranstaltungsstätte lesen viele User heraus, dass Patienten der Risikogruppe das soziale und gesellschaftliche Leben komplett zurückschrauben und daran nicht mehr teilnehmen sollen. Doch war das überhaupt so gemeint?

Die Moritzbastei stellt klar: Das war nicht die intendierte Aussage ihres Beitrags. "Die meisten Maskenverweigerer sind ja nicht gesundheitlich gefährdet, sondern wollen ein Statement zu den Covid19-Maßnahmen setzen bzw. eine Reaktion provozieren", so ihre Stellungnahme gegenüber TAG24. 

"Diejenigen, die sich echauffieren, tun das auch zum größten Teil nicht, weil sie selbst betroffen wären, sondern als selbst ernannte Stellvertreter von vermeintlich Betroffenen." 

Das Thema Corona und Maskenpflicht spaltet nach wie vor die Gesellschaft. Während viele Facebook-Kommentatoren der Ansage beipflichten ("Du musst die Maske ja nicht stundenlang tragen"), melden sich auch Stimmen zu Wort, die sich durch die getätigten Aussagen diskriminiert fühlen. 

Die Moritzbastei bleibt trotzdem bei ihrem Standpunkt: Maske auf dem Weg durchs Gebäude tragen, am Tisch darf sie abgesetzt werden. "Für solche Diskussionen sind wir der falsche Ansprechpartner und haben dafür an der Kasse auch keine Zeit", so die klare Ansage.

Titelfoto: Annika Rank

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