Nach Angriff auf Jüdin in Leipzig: Staatsschutz ermittelt gegen frühere SPD-Büroleiterin

Leipzig - Überraschung im Fall des Angriffs auf eine Israelin in Leipzig: Die Ermittlungen des Staatsschutzes richten sich gegen eine Frau, die Jahrzehnte in Diensten der Grünen und der SPD stand. Zuletzt arbeitete die unter Antisemitismus-Verdacht geratene Katrin W. (46) als Büroleiterin des SPD-Landtagsabgeordneten Holger Mann (42).

Wolfgang Rau (65), langjähriger Fraktionschef der Grünen in Zwickau.
Wolfgang Rau (65), langjähriger Fraktionschef der Grünen in Zwickau.  © Ralph Koehler/Propicture

Die Vorwürfe von Coral G. (26) wiegen schwer: Ihre Nachbarin soll sie massiv antisemitisch beleidigt, am Betreten der Wohnung gehindert und auch körperlich angegangen haben.

Sie solle Deutschland verlassen und zurück nach Israel gehen, weil sie nicht hierhergehöre, schildert die Jüdin auf Facebook die traumatische Situation am 3. Mai. Zweimal musste die Polizei eingreifen.

Die Frau, gegen die nun ermittelt wird, ist in Sachsens Politik-Landschaft keine Unbekannte.

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In den 1990er-Jahren engagierte sich Katrin W. für die Grünen in Zwickau, war Stadtrats-Kandidatin und Mitarbeiterin in der Fraktionsgeschäftsstelle.

"Das kann ich nicht glauben", kommentierte der langjährige Fraktionsgeschäftsführer Wolfgang Rau (65) am Montag fassungslos den Antisemitismus-Vorwurf gegen seine frühere Parteifreundin.

In diesem Haus im Leipziger Stadtteil Gohlis soll es zu dem antisemitischen Vorfall gekommen sein.
In diesem Haus im Leipziger Stadtteil Gohlis soll es zu dem antisemitischen Vorfall gekommen sein.  © Alexander Bischoff

Katrin W. war seine Büroleiterin: SPD-Landtagsabgeordneter will sich nicht zu Ex-Mitarbeiterin äußern

Holger Mann (42) sitzt seit 2009 für die SPD im Landtag.
Holger Mann (42) sitzt seit 2009 für die SPD im Landtag.  © Norbert Neumann

Anfang der 2000er ging Katrin W. nach Leipzig, trat in die SPD ein und arbeitete hauptberuflich für den Landtagspolitiker Mann sowie für die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe (41).

Bis 2014 war sie Manns Büroleiterin. Der Politiker wollte sich auf Anfrage nicht zu seiner Ex-Mitarbeiterin äußern.

Frau W., die aktuell partei- und erwerbslos ist, bestritt am Montag noch einmal den Antisemitismus-Vorwurf.

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Nach ihrer Darstellung sei es ein Nachbarschaftsstreit um Lärm gewesen. "Ich bin auf eine Gehhilfe angewiesen, kann gar niemanden angreifen", sagte sie TAG24.

Die Ermittlungen übernahm jetzt das Landeskriminalamt.

Titelfoto: Montage: Alexander Bischoff; Norbert Neumann; Ralph Koehler/Propicture

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