Versuchte Entführungen in Leipzig: Experte erklärt, wie man Kinder schützen kann

Leipzig - In der vergangenen Woche hat ein Kinderfänger nicht nur den Leipziger Stadtteil Paunsdorf in Angst und Schrecken versetzt. Bei "Kripo Live" verriet am Sonntag ein Experte des "Weißen Rings", wie man seine Kinder vor ähnlichen Übergriffen schützen kann. 

Experte Jörg Bethmann, Polizeirat außer Dienst, rät Eltern, ihre Kinder früh über mögliche Angriffe aufzuklären.
Experte Jörg Bethmann, Polizeirat außer Dienst, rät Eltern, ihre Kinder früh über mögliche Angriffe aufzuklären.  © Screenshot/MDR "Kripo Live"

In Ernstfällen, wie zum Beispiel am vergangenen Dienstag, sei alles erlaubt, um sich zur Wehr zu setzen, berichtet Jörg Bethmann, der beim Opferschutz des Weißen Ring arbeitet. Deshalb hätten die Paunsdorfer Eltern mit ihrem energischen Auftreten und dem Schreien genau richtig gehandelt. 

"Kratzen, Schlagen, Spucken, Schreien, in der Notwehr sind keine Grenzen gesetzt und man sollte möglichst offensiv gegen den Angreifer vorgehen", rät der Experte weiter. 

Für gewöhnlich seien Täter nämlich darauf bedacht, unerkannt zu bleiben und Kinder beispielsweise eher mit Süßigkeiten oder Spielzeug in ein Auto zu locken. 

Ganz gegenteilig habe der Paunsdorfer Täter gehandelt, sich sogar versuchte, die Kleinkinder aus den Armen der Eltern zu reißen. 

Rat des Weißen Ring an die Eltern: Aufklären, ohne Angst zu schüren

Der 42-jährige Russlanddeutsche wurde noch am Dienstag im angrenzenden Paunsdorfer Wäldchen geschnappt.
Der 42-jährige Russlanddeutsche wurde noch am Dienstag im angrenzenden Paunsdorfer Wäldchen geschnappt.  © RTL

Allgemein gäbe es außerdem schon ein paar Maßnahmen, um ein Kind auf mögliche Übergriffe vorzubereiten. "Ab dem Grundschulalter kann und sollte man mit dem Kind besprechen, dass solche Dinge passieren können", so Bethmann. Dabei sollte man aber trotzdem darauf achten, keine großen Ängste zu schüren. 

Bei der Wahl des Schulwegs könne man ebenfalls darauf achten, dass dieser nicht durch zu viele abgelegene Stellen führe. "Oder man organisiert zum Beispiel gemeinsame Schulwege mit anderen Kindern und Eltern", schlägt Jörg Bethmann vor.

Vorfälle wie der in Paunsdorf können sehr traumatisierend für Kinder sein, weiß der Experte. "Wenn man auch noch zwei Wochen nach dem Vorfall gedanklich nicht davon loslassen kann, Alpträume hat und sich in seinem Alltag einschränken muss, zum Beispiel bestimmte Orte nicht mehr aufsuchen kann, dann sollte man sich professionelle Hilfe suchen", rät Bethmann Betroffenen. Der Weiße Ring sei dabei ein guter Anlaufpunkt.

Am vergangenen Dienstag hatte am frühen Morgen ein 42-Jähriger versucht, zwei vierjährige Mädchen ihren Müttern auf dem Weg zur Kita zu entreißen. Später überfiel er eine Grundschülerin (7) und versuchte, sie sexuell zu missbrauchen. Das Kind konnte sich aber losreißen. Der Mann flüchtete in das Paunsdorfer Wäldchen, wo er wenig später von der Polizei aufgegriffen wurde. 

Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen des versuchten Missbrauchs eines Kindes, der versuchten Entziehung Minderjähriger und Nötigung erlassen (TAG24 berichtete). 

Der Russlanddeutsche sitzt momentan in Untersuchungshaft. 

Titelfoto: Bildmontage: RTL, Screenshot MDR "Kripo Live"

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