Nach vielen Diskussionen: Kommission ist gegen die Umbenennung Leipziger Straßen

Leipzig - Seit Jahren wird über die Umbenennung mehrerer Leipziger Straßen diskutiert. Jetzt hat die Beratungskommission eine erste Empfehlung veröffentlicht.

Die Beratungskommission rät unter anderem von der Umbenennung der Jahnallee ab. (Archivbild)
Die Beratungskommission rät unter anderem von der Umbenennung der Jahnallee ab. (Archivbild)  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Die wissenschaftliche Beratungskommission zur Straßenbenennung wurde im vergangenen Jahr von der Leipziger Ratsversammlung beschlossen und beschäftigt sich mit der Bewertung von Straßen- und Platznamen "hinsichtlich ihrer kolonialen Vergangenheit sowie mit Blick auf mögliche Diskriminierung".

Im Fokus des ersten Prüfauftrags standen die Jahnallee, Arndtstraße sowie die Ernst-Pinkert-Straße.

Ernst Pinkert hatte 1876 den Leipziger Zoo gegründet, steht allerdings dafür in der Kritik, damals sogenannte Völkerschauen durchgeführt zu haben.

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Da sich der Historiker Ernst Moritz Arndt (1769-1860) in seinen Werken nach heutiger Ansicht nach antisemitisch, rassistisch und nationalistisch geäußert hatte, stimmte der Stadtrat 2020 einer Umbenennung der nach ihm benannten Straße in die "Hannah-Arendt-Straße" zu. Dieser Entschluss wurde allerdings wieder zurückgezogen.

Auch die antisemitischen und nationalistischen Aussagen des Pädagogen Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn (1778-1852), nach dem die Leipziger Jahnstraße benannt wurde, zogen in den vergangenen Jahren Forderungen zu einer Umbenennung nach sich.

Trotz all dieser Diskussionen kam die Beratungskommission zur dem Prüfungsergebnis, dass alle drei genannten Straßen ihren Namen weiterführen sollen.

Kommission rät von Umbenennung der drei Straßen ab

"In drei ausführlichen Gutachten hatten sich die Expertinnen und Experten jeweils mit der historischen Bedeutung der Persönlichkeiten Ernst Moritz Arndt, Friedrich Ludwig Jahn und Ernst Pinkert befasst und sie einer kritischen Würdigung unterzogen", hieß es in einer Mitteilung der Stadt Leipzig. Dabei sei sich intensiv mit den antifranzösischen, antisemitischen und nationalistischen Texte der Persönlichkeiten sowie den Völkerschauen auseinandergesetzt worden.

"Diese Aspekte wurden bewertet, zugleich jedoch die historischen Umstände sowie die ideellen und politischen Gegebenheiten der damaligen Zeit berücksichtigt", so das Statement.

Der Kommission gehören mehrere Professorinnen und Professoren, Mitarbeitende des Stadtgeschichtlichen Museums und der Universität sowie der Direktor des Leipziger Stadtarchivs an.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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