Noch 6300 Ausbildungsstellen im Freistaat unbesetzt: Hilfe, wir finden keinen Lehrling!

Leipzig - Das neue Ausbildungsjahr hat längst begonnen, doch noch immer suchen Betriebe in Sachsen händeringend Azubis. Rund 6300 Lehrstellen sind nach Angaben der Landesarbeitsagentur unbesetzt. Zwar sind noch 3900 Jugendliche unversorgt - doch Betriebe klagen über die Qualität der Bewerbungen.

Dachdeckermeister Udo Dintner (58) aus Grimma findet seit zwei Jahren keinen Berufs-Nachwuchs.
Dachdeckermeister Udo Dintner (58) aus Grimma findet seit zwei Jahren keinen Berufs-Nachwuchs.  © Sören Müller

"Seit zwei Jahren suche ich einen Lehrling, doch ich finde einfach keinen geeigneten", erzählt der Grimmaer Dachdeckermeister Udo Dintner. 

Neulich habe sich mal ein Bewerber vorgestellt. "Doch der wollte nicht aufs Dach, sondern gleich ins Büro", sagt Dintner fassungslos. 

Dabei bräuchte sein Acht-Mann-Betrieb dringend Nachwuchs, da zwei Mitarbeiter demnächst in Rente gehen.

Ähnliche Erfahrungen macht gerade Martin Pfändler. Der Chef einer Firma für Gartengerätetechnik in Leipzig würde gern einen Land- und Baumaschinenmechatroniker ausbilden. 

Doch die wenigen Bewerbungen, die er erhielt, seien "abschreckend" gewesen. Entweder waren die Schulnoten schlecht, oder die Form der Bewerbung verhieß bereits wenig Interesse am Beruf.

Martin Pfändler (29), Chef der Firma Gartentechnik Leipzig, sucht einen Mechatroniker-Lehrling.
Martin Pfändler (29), Chef der Firma Gartentechnik Leipzig, sucht einen Mechatroniker-Lehrling.  © Ralf Seegers

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Hat noch 6300 offene Lehrstellen in der Vermittlung: Klaus-Peter Hansen (57), Chef der Landesarbeitsagentur.
Hat noch 6300 offene Lehrstellen in der Vermittlung: Klaus-Peter Hansen (57), Chef der Landesarbeitsagentur.  © Petra Hornig

Auch Maik Wetzel, sächsischer Niederlassungsleiter des Apparatebauers Mayr & Wilhelm, weiß Ähnliches zu Berichten. "Wir hatten zwar mehr Bewerbungen als in den vergangenen Jahren, doch es fielen mehr Bewerber durchs Raster." Noch vier Metallbauer-Lehrstellen hätte er zu vergeben.

Dass noch rund 6300 Ausbildungsstellen unbesetzt sind, andererseits aber 3900 Jugendliche ohne Vertrag dastehen, sieht Landesarbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen jedoch eher als Folge der Pandemie. 

"Die Corona-Krise hat die Ausbildungssuche in den letzten Monaten erschwert. Ausbildungsmessen und Praktika konnten nicht wie üblich stattfinden." 

Alle jungen Menschen, die jetzt noch auf der Suche sind, sollten die Unterstützung der Jugendberufsberatung nutzen. 

"Für jeden gibt es einen Ausbildungsplatz und Chancen – kein Schulabgänger muss leer ausgehen", verspricht Hansen.

Titelfoto: Ralf Seegers

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